Jerusalem – Stadt der Gegensätze

Blick über die Altstadt von Jerusalem zum Ölberg
Blick über die Altstadt von Jerusalem zum Ölberg

Drei Monate in Jerusalem zu sein, zu leben, Menschen in ihrem Alltag zu begleiten, das muss doch ein Traum sein. Oder eher eine große Herausforderung? Jerusalem, Al-Quds, Yerushalayim – wohl kaum eine Stadt ist von solch einer Aura umgeben, aber auch so umstritten, ja umkämpft im wahrsten Sinne des Wortes. Jerusalem – Stadt der Gegensätze weiterlesen

Das einsame Dorf

„Ich kann euch nicht in dieses Dorf gehen lassen, das ist gefährlich. Das ist ein muslimisches Dorf. Die Einwohner werfen Steine auf Fremde und schießen sogar manchmal auf sie“, sagte der Soldat an dem Checkpoint zu uns.

Wir waren auf dem Weg in das Dorf „An Nu´man“. Wir mussten den Checkpoint, an dem wir nun standen, nicht passieren, sondern wurden von den Soldaten zu ihm gerufen. Die Straße, die nach An Nu´man führt, ist mit einer Schranke verschlossen, der Fußgänger Checkpoint nicht besetzt. Das einsame Dorf weiterlesen

Doch, sie ist noch da, meine Sympathie für dieses Land!

Friedenstaube an der Mauer
Friedenstaube an der Mauer

Neben der „eigentlichen“ Arbeit, habe ich es mir inzwischen zur Hauptaufgabe gemacht, nach möglichst vielen, vor allem positiven Facetten in diesem Land zu suchen. Bei allem, was ich höre und erlebe, will ich dieses Land nicht bitter verlassen! Es gibt hier viele Wahrheiten – die auch ganz gegensätzlich nebeneinander stehen können: mittags schlucke ich an meinen Tränen, nachdem wir einen Palästinenser besuchen, dessen Neubau gerade abgerissen wurde – und abends gehe ich inspiriert von einem Vortrag eines Israeli und eines Palästinensers nach Hause. Der Israeli sagte „Vielleicht geht es auf einer spirituellen Ebene darum, Zusammensein und Trennung zu leben.“ Das erlebe auch ich als Herausforderung. Es ist so leicht, das was wir kennen, als die volle Wahrheit anzunehmen. Dagegen hilft nur: offen sein für das, was ganz unerwartet auch da ist. Doch, sie ist noch da, meine Sympathie für dieses Land! weiterlesen

Erzwungene Umsiedlung

Kinder in Abu Nwar
Kinder in Abu Nwar

Wadi Nwar und Khan al Ahmar gehören zu einer Gruppe von Beduinen- und Hirtengemeinden, die laut Vereinter Nationen besonders gefährdet sind, gegen ihren Willen umgesiedelt zu werden. 2014 veröffentlichten die israelischen Behörden den sogenannten Nuweimah-Plan, der die Umsiedlung mehrerer Tausend Menschen aus ihren derzeitigen Dörfern in drei Beduinen-Townships vorsieht. In diesen Städten könnten die Beduinen und Hirten ihre traditionelle Lebensweise nicht weiterführen und müssten aufgrund des Mangels an Weideflächen große Teile ihrer Tierhaltung aufgeben, die heute für viele die Hauptlebensgrundlage darstellt (weitere Infos unter: http://www.ochaopt.org /content/bedouin-communities-risk-forcible-transfer-september-2014, Karte siehe unten).

Abriss eines Klassenraums in Abu Nwar

Die Beduinengemeinde Abu Nwar, im Hintergrund die jüdische Siedlung Maale Adumim
Die Beduinengemeinde Abu Nwar, im Hintergrund die jüdische Siedlung Maale Adumim

Dahud Jalin Abu Hamad, das Oberhaupt der Beduinengemeinde Abu Nwar, berichtete uns von dem, was heute Morgen passiert ist. Bereits um 05:00 Uhr kamen zehn Autos von der israelischen Zivilverwaltung, der Polizei und dem Militär – mit ihnen ein Bulldozer. Ihren Weg schlugen sie ein in Richtung Schule.

Dort entfernten sie Möbel aus einem der Klassenzimmer (ein eigenständiges Gebäude) und zerstörten es anschließend. Die Zerstörung dauerte nur 30 Minuten. Der Raum war ganz neu, er war erst am 25. August dieses Jahres eröffnet wurden. Die dritte Klasse der kleinen Schule, die überhaupt nur Kinder der ersten bis dritten Klasse unterrichtet und zusätzlichen einen kleinen Kindergarten beherbergt, hat nun keinen Unterrichtsraum mehr. 10 Kinder und ihre Lehrerin müssen nun provisorisch unterkommen, bevor ein vom palästinensischen Bildungsministerium zugesichertes Zelt geliefert wird. Außerdem wurde eine etwa 150 m² große betonierte Fläche zerstört, die als Untergrund für das Klassenzimmer und als Schulhof diente. Die zerstörten Strukturen waren mit Hilfsgeldern der EU finanziert worden.

Zerstörter Klassenraum in Abu Nwar
Zerstörter Klassenraum in Abu Nwar

Abriss eines Wohngebäudes in Khan Al Ahmar

Um 05:00 Uhr kam auch in Khan al Ahmer die israelischen Zivilverwaltung mit einem Bulldozer an. Ohne Verzögerung wurden ein Wohngebäude und ein mit Hilfsgeldern finanziertes Toilettengebäude in nur wenigen Minuten abgerissen. Das Wohngebäude war Teil des Zuhauses einer Familie mit zwei Erwachsenen und sechs Kindern unter 18 Jahren.

Abu Khamis, der Leiter der Gemeinde, berichtete uns zu diesem Ereignis: Sechs Autos von der Zivilverwaltung und einer privaten Sicherheitsfirma kamen nach Khan Al Ahmar. Dort fragten sie Abu Khamis, woher das Dorf Wasser und Energie beziehen würde. Danach gingen sie in die Häuser und durchsuchten diese.

Abu Khamis wurde zurückgehalten, während sie in die Schule gingen. In der Schule machten sie Aufnahmen von alten und neuen Sachen. Ebenso wurden Fotos hinter der Schule gemacht, um den Abstand zur Hauptstraße zu überprüfen. Währenddessen war es Abu Khamis nicht möglich, andere Organisationen anzurufen. Nach etwa zwei Stunden verließen sie das Dorf wieder. Zurück blieb ein apathischer Abu Khamis in einer verzweifelten Beduinengemeinde.

UNOCHA: Karte der von den Umsiedlungsplänen betroffenen Gemeinden
UNOCHA: Karte der von den Umsiedlungsplänen betroffenen Gemeinden

Als Besatzungsmacht ist Israel verpflichtet, die besetzte Bevölkerung zu schützen und für das Wohlergehen der Menschen in den besetzten Gebieten zu sorgen. Die erzwungene Umsiedlung einer besetzten Bevölkerung, aktiv oder durch sekundäre Faktoren wie Hauszerstörungen, Einschränkung z.B. des Zugangs zu Wasser oder zu medizinischer Versorgung, ist nach internationalem Recht verboten.

Monika, September 2016

Unrecht per Gesetz

Eine Hauszerstörung in Jerusalem

Wenn Iman den Reißverschluss ihres Zimmers aufzieht und ihren Kopf durch den Stoffspalt steckt, dann erblickt sie einen Berg aus Schutt. Irgendwo darin liegt auch ihre Tür. Vor knapp zwei Monaten hatte ihr Zimmer noch eine. Doch seit das Haus der Familie Kastero in Trümmern liegt, wohnt die 18-Jährige in einem Zelt. Unrecht per Gesetz weiterlesen

Jerusalem

Jerusalem, die wichtige Stadt der drei abrahamitischen Weltreligionen, ist ein Zankapfel in allen Friedensgesprächen. Sowohl Israel als auch die Palästinenser betrachten Jerusalem als ihre Hauptstadt. Der Westteil der Stadt ist mehrheitlich von jüdischen Israelis bewohnt; der von Israel annektierte Ostteil der Stadt wird mehrheitlich von PalästinenserInnen bewohnt, wobei die israelische Politik durch Bau von Siedlungen, Entziehung von Aufenthaltsgenehmigungen für PalästinenserInnen und den Bau der Mauer darauf abzielt, auch in Ostjerusalem eine jüdische Mehrheit herzustellen.

Zu den Aufgaben des Teams in Jerusalem gehören:

  • Zusammenarbeit mit und Unterstützung für israelische Friedensgruppen, z. B. Anwesenheit bei Hauszerstörungen gemeinsam mit dem Israe
    Mahnwache der Frauen in Schwarz gegen die israelische Besatzung
    Mahnwache der Frauen in Schwarz gegen die israelische Besatzung

    lischen Komitee gegen Hauszerstörungen oder Teilnahme an der Mahnwache der Frauen in Schwarz gegen die Besatzung

  • Kontakt zu palästinensischen christlichen Gemeinden, z. B. durch Anwesenheit in Gottesdiensten
  • Präsenzzeigen innerhalb der palästinensischen Umgebung, insbesondere an Checkpoints
  • Begleitung des Krankenhausbusses des palästinensischen Auguste-Victoria-Krankenhauses durch Checkpoints in der Umgebung