Mit Marschtrommeln gegen Militarismus

Seit 30 Jahren finden die Mahnwachen der „Women in Black“ in Jerusalem statt; © EAPPI
Seit 30 Jahren finden die Mahnwachen der „Women in Black“ in Jerusalem statt; © EAPPI

Jerusalem: für 3 Tage besuche ich die Kollegen und Kolleginnen an diesem Standort. Ich freue mich auf die Abwechslung des städtischen Umfelds und werde nicht enttäuscht. Unter anderem besuchen wir an diesem Freitag die Mahnwache von „Women in Black“, der Frauen in Schwarz. Jeden Freitag treffen sie sich in Westjerusalem  an einer belebten Kreuzung. Mit Marschtrommeln gegen Militarismus weiterlesen

Dem Erdboden gleichgemacht

Sechs Tage sind vergangen, seit die Jerusalemer Stadtverwaltung, das israelische Militär und die Zivilverwaltung des israelischen Militärs mit drei Bulldozern anrückten und das Haus von Raed Salameh Mahmoud Abu Tarboushs Familie und der seines Bruders zerstörten. Wir hörten davon durch eine Benachrichtigung von UNOCHA und machen uns auf den Weg, um den Familien mit einem Besuch unsere Solidarität zu zeigen. Dem Erdboden gleichgemacht weiterlesen

Frische Trümmer

„Vor zwei Wochen haben wir die Fenster und Türen eingesetzt und den Bau damit fertiggestellt“, erzählt ein Handwerker, der wie wir kurzfristig von der Hauszerstörung gehört hat. Jetzt ist alles nur noch ein Trümmerhaufen. Als wir ankommen, sind die Bulldozer gerade fertig mit ihrem Zerstörungswerk. Sie haben den Zugang zum Grundstück mit Flatterband abgesperrt – es liegt mitten im Ost-Jerusalemer Stadtteil Beit Hanina, in direkter Nähe zur Hauptstraße, die vom Qalandia Checkpoint ins Stadtzentrum führt.

Trümmer in Beit Hanina, Foto EAPPI
Trümmer in Beit Hanina, Foto EAPPI

Frische Trümmer weiterlesen

„Meine Heimat ist kein Koffer…“

An einer Wand im Jerusalemer Stadtteil „Silwan“ habe ich diesen Satz gelesen, auf Englisch: „My homeland is not a suitcase and I am not a traveller“ stand dort geschrieben, wo aufgrund von Ausgrabungen auf dem Gebiet des ersten, des kanaanitischen Jerusalems viele palästinensische Häuser abgerissen werden sollen.

Graffiti in Silwan
Graffiti in Silwan

Aus dem Koffer können und wollen auch die Beduinen nicht leben, die nach 1948 von dem neu gegründeten Staat Israel aus dem Negev vertrieben wurden oder flohen, und im Osten von Jerusalem neue Weideplätze fanden. „Meine Heimat ist kein Koffer…“ weiterlesen

Jerusalem – Stadt der Gegensätze

Blick über die Altstadt von Jerusalem zum Ölberg
Blick über die Altstadt von Jerusalem zum Ölberg

Drei Monate in Jerusalem zu sein, zu leben, Menschen in ihrem Alltag zu begleiten, das muss doch ein Traum sein. Oder eher eine große Herausforderung? Jerusalem, Al-Quds, Yerushalayim – wohl kaum eine Stadt ist von solch einer Aura umgeben, aber auch so umstritten, ja umkämpft im wahrsten Sinne des Wortes. Jerusalem – Stadt der Gegensätze weiterlesen

Das einsame Dorf

„Ich kann euch nicht in dieses Dorf gehen lassen, das ist gefährlich. Das ist ein muslimisches Dorf. Die Einwohner werfen Steine auf Fremde und schießen sogar manchmal auf sie“, sagte der Soldat an dem Checkpoint zu uns.

Wir waren auf dem Weg in das Dorf „An Nu´man“. Wir mussten den Checkpoint, an dem wir nun standen, nicht passieren, sondern wurden von den Soldaten zu ihm gerufen. Die Straße, die nach An Nu´man führt, ist mit einer Schranke verschlossen, der Fußgänger Checkpoint nicht besetzt. Das einsame Dorf weiterlesen

Doch, sie ist noch da, meine Sympathie für dieses Land!

Friedenstaube an der Mauer
Friedenstaube an der Mauer

Neben der „eigentlichen“ Arbeit, habe ich es mir inzwischen zur Hauptaufgabe gemacht, nach möglichst vielen, vor allem positiven Facetten in diesem Land zu suchen. Bei allem, was ich höre und erlebe, will ich dieses Land nicht bitter verlassen! Es gibt hier viele Wahrheiten – die auch ganz gegensätzlich nebeneinander stehen können: mittags schlucke ich an meinen Tränen, nachdem wir einen Palästinenser besuchen, dessen Neubau gerade abgerissen wurde – und abends gehe ich inspiriert von einem Vortrag eines Israeli und eines Palästinensers nach Hause. Der Israeli sagte „Vielleicht geht es auf einer spirituellen Ebene darum, Zusammensein und Trennung zu leben.“ Das erlebe auch ich als Herausforderung. Es ist so leicht, das was wir kennen, als die volle Wahrheit anzunehmen. Dagegen hilft nur: offen sein für das, was ganz unerwartet auch da ist. Doch, sie ist noch da, meine Sympathie für dieses Land! weiterlesen

Erzwungene Umsiedlung

Kinder in Abu Nwar
Kinder in Abu Nwar

Wadi Nwar und Khan al Ahmar gehören zu einer Gruppe von Beduinen- und Hirtengemeinden, die laut Vereinter Nationen besonders gefährdet sind, gegen ihren Willen umgesiedelt zu werden. 2014 veröffentlichten die israelischen Behörden den sogenannten Nuweimah-Plan, der die Umsiedlung mehrerer Tausend Menschen aus ihren derzeitigen Dörfern in drei Beduinen-Townships vorsieht. In diesen Städten könnten die Beduinen und Hirten ihre traditionelle Lebensweise nicht weiterführen und müssten aufgrund des Mangels an Weideflächen große Teile ihrer Tierhaltung aufgeben, die heute für viele die Hauptlebensgrundlage darstellt (weitere Infos unter: http://www.ochaopt.org /content/bedouin-communities-risk-forcible-transfer-september-2014, Karte siehe unten). Erzwungene Umsiedlung weiterlesen

Unrecht per Gesetz

Eine Hauszerstörung in Jerusalem

Wenn Iman den Reißverschluss ihres Zimmers aufzieht und ihren Kopf durch den Stoffspalt steckt, dann erblickt sie einen Berg aus Schutt. Irgendwo darin liegt auch ihre Tür. Vor knapp zwei Monaten hatte ihr Zimmer noch eine. Doch seit das Haus der Familie Kastero in Trümmern liegt, wohnt die 18-Jährige in einem Zelt. Unrecht per Gesetz weiterlesen