Dem Erdboden gleichgemacht

Sechs Tage sind vergangen, seit die Jerusalemer Stadtverwaltung, das israelische Militär und die Zivilverwaltung des israelischen Militärs mit drei Bulldozern anrückten und das Haus von Raed Salameh Mahmoud Abu Tarboushs Familie und der seines Bruders zerstörten. Wir hörten davon durch eine Benachrichtigung von UNOCHA und machen uns auf den Weg, um den Familien mit einem Besuch unsere Solidarität zu zeigen. Dem Erdboden gleichgemacht weiterlesen

Umgeben von Siedlungen

Von Shoshahla blickt man in alle Richtungen auf Siedlungen (blau); Karte PeaceNow, Markierung Shoshahla zugefügt
Von Shoshahla blickt man in alle Richtungen auf Siedlungen (blau); Karte PeaceNow, Markierung Shoshahla zugefügt

Das Dorf Shoshahla liegt etwa fünf km südlich von Bethlehem. Es ist das erste Dorf, das ich hier als Ecumenical Accompanier und Teil des EAPPI Bethlehem-Teams besuche. Ich bin kaum eine Woche hier und allein dieser einzelne Besuch lehrt mich mehr darüber was es heißt, von Siedlungen umgeben zu sein, als ich zuvor aus Büchern, Artikeln und Dokumentationen erfahren konnte.

Shoshahla als Dorf zu bezeichnen entspricht kaum der heutigen Realität des Ortes: Shoshahla war einmal ein Dorf, gegründet in den 1870er Jahren. Nach der Besetzung der Westbank 1967 und mit Gründung der Siedlungen in der Umgebung des Dorfes kam es immer wieder zu Übergriffen auf die Einwohner*innen von Shoshahla durch Militär und Siedler, bis schließlich 1985 alle Familien das Dorf verlassen hatten. 1992 beschloss ein Mann namens Muhannad Salah, mit seiner Familie nach Shoshahla zurückzukehren. 2015 folgten drei weitere Familien. Sie versuchen auf ihrem Grund und Boden, der Besatzung und den widrigen Lebensumständen trotzend, die Stellung zu halten, damit ihr Land nicht einer weiteren Siedlung weichen muss. Umgeben von Siedlungen weiterlesen

Ameer am Checkpoint

Ameer bei seiner frühmorgendlichen Arbeit am Checkpoint ©EAPPI
Ameer bei seiner frühmorgendlichen Arbeit am Checkpoint ©EAPPI

Ameer* ist viel länger und öfter als wir am engen Checkpoint 300 in Bethlehem anwesend. Wenn wir morgens um 4 Uhr erscheinen, ist er oft schon dort. Er hat sich am Ende des Betonganges einen Hochstuhl gebastelt, den er ankettet, damit er ihn täglich wiederfindet. Dort sitzt er oft stundenlang und lässt die Tausenden vorbeiziehen, die nach Israel rübergehen, um – meist auf den Baustellen – Geld zu verdienen, da es auf palästinensischer Seite zu wenig Arbeit gibt. Ameer am Checkpoint weiterlesen

Besuch bei einer alten Dame

Clémence Handal ©EAPPI
Clémence Handal ©EAPPI

Clémence Handal ist 72 Jahre alt. Sie wohnt seit Jahren allein in der oberen Etage eines Mehrfamilienhauses. Die christliche Großfamilie Handal lebt in den drei Häusern, die unmittelbar an unser Apartment angrenzen. Sie hatten früher viel Land hier. Doch nur ein paar Kleingärten mit verschiedenen Obstbäumen sind geblieben, seit die Mauer in Bethlehem gebaut wurde. Besuch bei einer alten Dame weiterlesen

Das „Orakel von Bethlehem“: Majdi Ata Amro

Herzlicher Empfang in Majdis Laden
Herzlicher Empfang in Majdis Laden

Das „Orakel von Bethlehem“, so hieß er in einer englischen Zeitung: Majdi Ata Amro (53) mit seinem Touristenladen besonderer Art in der Manger Street in Bethlehem, wo er nicht nur an die Touristen verkauft und seinen Lebensunterhalt verdient, sondern auch seine Gäste aus aller Welt gerne empfängt. Kaffee in kleinen Pappbechern und Tee in Gläsern, immer mit ein paar Blättern frischen Grüns, schaffen schnell eine heimische Atmosphäre. Das „Orakel von Bethlehem“: Majdi Ata Amro weiterlesen

Tent of Nations – „Wir weigern uns, Feinde zu sein“

Daoud Nasser - Tent of Nations
Daoud Nasser – Tent of Nations

Daoud Nasser ist ein eindrucksvoller Mensch: Er scheint gleichzeitig an mehreren Orten sein zu können: wenn Studenten helfen beim Bäume pflanzen und abernten, je nach Jahreszeit. Wenn sie dort praktizierte Müllvermeidung organisieren, als gelte es zu beweisen, dass Palästina ganz viel weniger schädlichen und landschaftszerstörenden Abfall produzieren könnte. Wenn sie anfangen, das Regenwasser in ihrem Zentrum in einem großen unterirdischen Becken aufzufangen, und es dann auf andere Stellen umpumpen, mit Sonnenenergie natürlich, die intensiv genutzt wird. Wenn seine Frau und er wo auch immer gebraucht werden. Sie sind bekannt und geschützt durch ihre Bekanntheit in den neuen Medien und die stete internationale Präsenz. Tent of Nations – „Wir weigern uns, Feinde zu sein“ weiterlesen

Mauergebete

Das "car gate" am Checkpoint 300 (Gilo)
Das „car gate“ am Checkpoint 300 (Gilo)

Fast schon trotzig angesichts von Mauer, Ungerechtigkeiten, Schikanen und Brutalität schicke ich Friedensgrüße aus Bethlehem, wo es im Alltag durchaus auch normal, festlich, (un)aufgeregt und uns gegenüber sehr freundlich zugeht. Man kennt „uns“ hier seit vielen Jahren, erkennbar an unseren beigefarbenen Jacken mit der Friedenstaube des ÖRK, die „ökumenischen Begleiter“, „EAs“ genannt. Mauergebete weiterlesen

Konfiszierung der Solaranlage von Jubbet adh Dhib

Karte UNOCHA
Karte UNOCHA

Am 13.Juli besuchten wir die kleine Gemeinde Jubbet adh Dhib nahe Bethlehem. Wir kamen in ein auf den ersten Blick verlassenes Dorf. Aber dann sammelten sich doch Frauen und Kinder um uns. Hier also war das israelische Militär am Mittwoch, 28.6.2017 um 8 Uhr morgens  eingedrungen und hatte ohne Vorwarnung und vorher auszuhändigende “Stop work order” die vor gerade acht Monaten installierte große Solaranlage konfisziert, teilweise zerstört und abtransportiert. Konfiszierung der Solaranlage von Jubbet adh Dhib weiterlesen

Besatzung muss ein Ende haben!

George Handal
George Handal

„Unter Besatzung zu leben bedeutet, viele Dinge zu verlieren. Freiheit und offenes Gelände, auf dem man sich bewegen kann. Man kann nicht arbeiten, wo man möchte und reisen können wir nur unter schwierigen Bedingungen. Mit meinem Auto kann ich nicht mehr nach Israel und Jerusalem fahren und sogar nach Jordanien zu reisen bereitet viele Probleme. Ich sehe leider kaum eine Hoffnung für mich oder kommende Generationen, dass sich daran etwas ändert. Israel wird in der Westbank bleiben, daran arbeiten sie 24 Stunden am Tag, indem sie zum Beispiel die Siedlungen ausbauen. Wir erwarten uns mehr Hilfe von anderen Ländern, bisher haben alle immer nur geredet, aber es müssen Taten folgen. Für mich als Christ ist es besonders bedrückend, dass viele meiner Glaubensbrüder und –schwestern aufgrund dieser deprimierenden Besatzungssituation emigrieren. Die Geburtsstadt Jesu ohne uns Christen, das darf doch nicht sein!“

George Handal ist 65 Jahre alt und lebt in Bethlehem, direkt neben dem Checkpoint 300. Er ist katholischer Christ und arbeitete vor seinem Ruhestand als Arabisch-Lehrer an der Terra-Sancta-Highschool Bethlehem. Besatzung muss ein Ende haben! weiterlesen

Das einsame Dorf

„Ich kann euch nicht in dieses Dorf gehen lassen, das ist gefährlich. Das ist ein muslimisches Dorf. Die Einwohner werfen Steine auf Fremde und schießen sogar manchmal auf sie“, sagte der Soldat an dem Checkpoint zu uns.

Wir waren auf dem Weg in das Dorf „An Nu´man“. Wir mussten den Checkpoint, an dem wir nun standen, nicht passieren, sondern wurden von den Soldaten zu ihm gerufen. Die Straße, die nach An Nu´man führt, ist mit einer Schranke verschlossen, der Fußgänger Checkpoint nicht besetzt. Das einsame Dorf weiterlesen