Ein Ort zum Wachsen und Lernen?

Ein Thema, das mich und mein Team sehr beschäftigt und in dem wir recht aktiv sind, ist der Zugang zu Bildung. Nachdem das neue Schuljahr vor gut einem Monat begonnen hat, gehören die ‚School Runs‘ zu unseren regelmäßigen Aufgaben. An verschiedenen Orten in der Westbank und Ost-Jerusalem begleiten Teilnehmende des EAPPI Programms Kinder und Lehrpersonal auf Schulwegen und an Schulen, seit 2012 in Kooperation mit UNICEF.

Die As-Sawiya Secondary School liegt etwa auf halbem Weg zwischen den Dörfern As Sawiya und All Lubban ash Sharqiya; Karte © UNOCHA
Die As-Sawiya Secondary School liegt etwa auf halbem Weg zwischen den Dörfern As Sawiya und All Lubban ash Sharqiya; Karte © UNOCHA

Dreimal pro Woche begleiten wir die Schüler*innen der As Sawiya Secondary School, die direkt an der vielbefahrenen zentralen Verbindungsstraße 60 zwischen den Dörfern As Sawiya und Al Luban liegt, auf ihrem Weg zur Schule. Die Straße wird von Palästinensern ebenso genutzt wie vom israelischen Militär und von israelischen Siedlern. Mehrere israelischen Siedlungen und Außenposten liegen in unmittelbarer Nähe der Dörfer und der Schule. Von Zeit zu Zeit kommt es hier zu Zusammenstößen. Entlang der Straße und manchmal sogar direkt am Eingang der Schule sind die Schüler*innen fast täglich mit militärischer Präsenz konfrontiert, weshalb wir die Begleitung auf dem Schulweg zu einer unserer Prioritäten gemacht haben. Ein Ort zum Wachsen und Lernen? weiterlesen

Eingeschlossen – mit der mobilen Klinik in der seam-zone

Die mobile Klinik der PMRS; © EAPPI
Die mobile Klinik der PMRS; © EAPPI

Vor einigen Tagen begleiteten wir das örtliche Team der Palestinian Medical Relief Society (PMRS) mit ihrer mobilen Klinik in die sogenannte “seam-zone“ (Nahtzone) südlich von Qalqilia. Die PMRS ist eine palästinensische allgemeinnützige non-profit Organisation [1], die unter anderem überall dort medizinische Versorgung leistet, wo Menschen der Zugang zu Krankenhäusern oder anderen medizinischen Einrichtungen aus verschiedenen Gründen erschwert ist. Eingeschlossen – mit der mobilen Klinik in der seam-zone weiterlesen

Ein Bild sagt mehr als tausend Worte

Ein Haus, ein Baum, eine Sonne mit lachendem Gesicht: so haben meine Kinderbilder früher ausgesehen. In A Seefer, einer kleinen Siedlung in der Westbank, bekomme ich einen Eindruck davon, dass das keine Selbstverständlichkeit ist. Ein ungefähr 10-jähriger Junge, nennen wir ihn hier Kadar, zeichnet ein Bild, das mir nicht mehr aus dem Kopf geht. Ein Bild sagt mehr als tausend Worte weiterlesen

Dkaika – ein Dorf am Ende der Welt

Dkaika - Karte UNOCHA-OPT
Dkaika – Karte UNOCHA-OPT

Dkaika liegt im äußersten Süden des Westjordanlands, ganz am Rande der South Hebron Hills in Area C, die unter vollständiger israelischer Kontrolle steht. In unmittelbarer Nähe befindet sich die Grüne Linie, die Waffenstillstandsgrenze von 1949, die heute international als Grenze zwischen Israel und den palästinensischen Gebieten anerkannt wird. Die Trennbarriere wurde hier noch nicht gebaut, an vielen anderen Stellen der Westbank schneidet sie als Mauer oder Zaun tief in palästinensisches Gebiet ein. Und auch die geplante Route nahe Dkaika würde nicht der Grünen Linie folgen (siehe Karte). Obwohl das Dorf nur ungefähr 30 km von unserer Basis in Yatta entfernt liegt, benötigen wir mit unserem Fahrer mehr als 40 Minuten dorthin, das letzte Stück ist Piste und das allerletzte Stück gehen wir zu Fuß. Dkaika – ein Dorf am Ende der Welt weiterlesen

Erzwungene Umsiedlung

Kinder in Abu Nwar
Kinder in Abu Nwar

Wadi Nwar und Khan al Ahmar gehören zu einer Gruppe von Beduinen- und Hirtengemeinden, die laut Vereinter Nationen besonders gefährdet sind, gegen ihren Willen umgesiedelt zu werden. 2014 veröffentlichten die israelischen Behörden den sogenannten Nuweimah-Plan, der die Umsiedlung mehrerer Tausend Menschen aus ihren derzeitigen Dörfern in drei Beduinen-Townships vorsieht. In diesen Städten könnten die Beduinen und Hirten ihre traditionelle Lebensweise nicht weiterführen und müssten aufgrund des Mangels an Weideflächen große Teile ihrer Tierhaltung aufgeben, die heute für viele die Hauptlebensgrundlage darstellt (weitere Infos unter: http://www.ochaopt.org /content/bedouin-communities-risk-forcible-transfer-september-2014, Karte siehe unten). Erzwungene Umsiedlung weiterlesen

Morgens halb zehn in al-Khadr

EAs und Schüler der Secondary Boys School in al-Khadr, Bethlehem
EAs und Schüler der Secondary Boys School in al-Khadr, Bethlehem

Zugegeben, auch mir fällt es manchmal schwer, diesem Gefühl der Hoffnungslosigkeit zu widersprechen, denn was weiß ich schon vom tatsächlichen Gefühl der Ohnmacht angesichts der seit Jahrzehnten andauernden Strapazen und Enttäuschungen im Heiligen Land. Doch höre ich auch andere Stimmen, für die das Wort „inshallah“ („so Gott will“) eine andere, eine lebenswertere Zukunft in Aussicht stellt… Morgens halb zehn in al-Khadr weiterlesen

Samia – Zukunftsvisionen einer Lehrerin aus Hebron

Teil 4 der Portraitreihe: Unter Besatzung – Palästinensische und israelische Alltagsstimmen

EAs begleiten Kinder auf dem Weg zur Cordoba Schule
EAs begleiten Kinder auf dem Weg zur Cordoba Schule

Eigentlich ist es wie überall auf der Welt: morgens schauen die Jungen und Mädchen mit ihren riesigen Rücksäcken uns EAs nur missmutig an oder ignorieren unser „Sabah al-chier“ (Guten Morgen) sogar gänzlich. Mittags jedoch sind sie alle froh, dass die Schule endlich vorbei ist und sie sind super aufgedreht. Plötzlich sind sie zu freundlichen, schüchternen Unterhaltungen aufgelegt, in denen sie stolz ihre Englischkenntnisse präsentieren. Oder sie machen sich frech Späße mit uns und reizen ihre Grenzen aus. Dafür braucht man nicht einmal Englisch. Und doch ist alles in Hebron so anders, als ich es beispielsweise von meinem Schulweg her kenne. Samia – Zukunftsvisionen einer Lehrerin aus Hebron weiterlesen

Wie kann man lernen, wenn das Herz vor Angst rast?

Soldaten beobachten die Schüler auf dem Schulweg
Soldaten beobachten die Schüler auf dem Schulweg

„Wie kann man lernen, wenn das Herz vor Angst rast?“, fragt mich ein sorgenvoller Vater. Sein Sohn Leith, 12 Jahre, besucht in AsZawyya die Oberschule (Secondary School). Sie liegt an der zentralen Verbindungsstrasse Nr. 60, die vom Norden Israels , quer durch die Westbank, in den Süden Israels führt. Es gelten die Gesetze der Zone C, palästinensische Behörden haben keine Zuständigkeit. Auf Bitten des Schulleiters sind wir sofort gekommen, als wir von dem Zwischenfall hören. Das war gestern, heute sind wir erneut vor Ort. Wie kann man lernen, wenn das Herz vor Angst rast? weiterlesen