Dkaika – ein Dorf am Ende der Welt

Dkaika - Karte UNOCHA-OPT
Dkaika – Karte UNOCHA-OPT

Dkaika liegt im äußersten Süden des Westjordanlands, ganz am Rande der South Hebron Hills in Area C, die unter vollständiger israelischer Kontrolle steht. In unmittelbarer Nähe befindet sich die Grüne Linie, die Waffenstillstandsgrenze von 1949, die heute international als Grenze zwischen Israel und den palästinensischen Gebieten anerkannt wird. Die Trennbarriere wurde hier noch nicht gebaut, an vielen anderen Stellen der Westbank schneidet sie als Mauer oder Zaun tief in palästinensisches Gebiet ein. Und auch die geplante Route nahe Dkaika würde nicht der Grünen Linie folgen (siehe Karte). Obwohl das Dorf nur ungefähr 30 km von unserer Basis in Yatta entfernt liegt, benötigen wir mit unserem Fahrer mehr als 40 Minuten dorthin, das letzte Stück ist Piste und das allerletzte Stück gehen wir zu Fuß. Dkaika – ein Dorf am Ende der Welt weiterlesen

Erzwungene Umsiedlung

Kinder in Abu Nwar
Kinder in Abu Nwar

Wadi Nwar und Khan al Ahmar gehören zu einer Gruppe von Beduinen- und Hirtengemeinden, die laut Vereinter Nationen besonders gefährdet sind, gegen ihren Willen umgesiedelt zu werden. 2014 veröffentlichten die israelischen Behörden den sogenannten Nuweimah-Plan, der die Umsiedlung mehrerer Tausend Menschen aus ihren derzeitigen Dörfern in drei Beduinen-Townships vorsieht. In diesen Städten könnten die Beduinen und Hirten ihre traditionelle Lebensweise nicht weiterführen und müssten aufgrund des Mangels an Weideflächen große Teile ihrer Tierhaltung aufgeben, die heute für viele die Hauptlebensgrundlage darstellt (weitere Infos unter: http://www.ochaopt.org /content/bedouin-communities-risk-forcible-transfer-september-2014, Karte siehe unten).

Abriss eines Klassenraums in Abu Nwar

Die Beduinengemeinde Abu Nwar, im Hintergrund die jüdische Siedlung Maale Adumim
Die Beduinengemeinde Abu Nwar, im Hintergrund die jüdische Siedlung Maale Adumim

Dahud Jalin Abu Hamad, das Oberhaupt der Beduinengemeinde Abu Nwar, berichtete uns von dem, was heute Morgen passiert ist. Bereits um 05:00 Uhr kamen zehn Autos von der israelischen Zivilverwaltung, der Polizei und dem Militär – mit ihnen ein Bulldozer. Ihren Weg schlugen sie ein in Richtung Schule.

Dort entfernten sie Möbel aus einem der Klassenzimmer (ein eigenständiges Gebäude) und zerstörten es anschließend. Die Zerstörung dauerte nur 30 Minuten. Der Raum war ganz neu, er war erst am 25. August dieses Jahres eröffnet wurden. Die dritte Klasse der kleinen Schule, die überhaupt nur Kinder der ersten bis dritten Klasse unterrichtet und zusätzlichen einen kleinen Kindergarten beherbergt, hat nun keinen Unterrichtsraum mehr. 10 Kinder und ihre Lehrerin müssen nun provisorisch unterkommen, bevor ein vom palästinensischen Bildungsministerium zugesichertes Zelt geliefert wird. Außerdem wurde eine etwa 150 m² große betonierte Fläche zerstört, die als Untergrund für das Klassenzimmer und als Schulhof diente. Die zerstörten Strukturen waren mit Hilfsgeldern der EU finanziert worden.

Zerstörter Klassenraum in Abu Nwar
Zerstörter Klassenraum in Abu Nwar

Abriss eines Wohngebäudes in Khan Al Ahmar

Um 05:00 Uhr kam auch in Khan al Ahmer die israelischen Zivilverwaltung mit einem Bulldozer an. Ohne Verzögerung wurden ein Wohngebäude und ein mit Hilfsgeldern finanziertes Toilettengebäude in nur wenigen Minuten abgerissen. Das Wohngebäude war Teil des Zuhauses einer Familie mit zwei Erwachsenen und sechs Kindern unter 18 Jahren.

Abu Khamis, der Leiter der Gemeinde, berichtete uns zu diesem Ereignis: Sechs Autos von der Zivilverwaltung und einer privaten Sicherheitsfirma kamen nach Khan Al Ahmar. Dort fragten sie Abu Khamis, woher das Dorf Wasser und Energie beziehen würde. Danach gingen sie in die Häuser und durchsuchten diese.

Abu Khamis wurde zurückgehalten, während sie in die Schule gingen. In der Schule machten sie Aufnahmen von alten und neuen Sachen. Ebenso wurden Fotos hinter der Schule gemacht, um den Abstand zur Hauptstraße zu überprüfen. Währenddessen war es Abu Khamis nicht möglich, andere Organisationen anzurufen. Nach etwa zwei Stunden verließen sie das Dorf wieder. Zurück blieb ein apathischer Abu Khamis in einer verzweifelten Beduinengemeinde.

UNOCHA: Karte der von den Umsiedlungsplänen betroffenen Gemeinden
UNOCHA: Karte der von den Umsiedlungsplänen betroffenen Gemeinden

Als Besatzungsmacht ist Israel verpflichtet, die besetzte Bevölkerung zu schützen und für das Wohlergehen der Menschen in den besetzten Gebieten zu sorgen. Die erzwungene Umsiedlung einer besetzten Bevölkerung, aktiv oder durch sekundäre Faktoren wie Hauszerstörungen, Einschränkung z.B. des Zugangs zu Wasser oder zu medizinischer Versorgung, ist nach internationalem Recht verboten.

Monika, September 2016

Morgens halb zehn in al-Khadr

EAs und Schüler der Secondary Boys School in al-Khadr, Bethlehem
EAs und Schüler der Secondary Boys School in al-Khadr, Bethlehem

Zugegeben, auch mir fällt es manchmal schwer, diesem Gefühl der Hoffnungslosigkeit zu widersprechen, denn was weiß ich schon vom tatsächlichen Gefühl der Ohnmacht angesichts der seit Jahrzehnten andauernden Strapazen und Enttäuschungen im Heiligen Land. Doch höre ich auch andere Stimmen, für die das Wort „inshallah“ („so Gott will“) eine andere, eine lebenswertere Zukunft in Aussicht stellt… Morgens halb zehn in al-Khadr weiterlesen

Samia – Zukunftsvisionen einer Lehrerin aus Hebron

Teil 4 der Portraitreihe: Unter Besatzung – Palästinensische und israelische Alltagsstimmen

EAs begleiten Kinder auf dem Weg zur Cordoba Schule
EAs begleiten Kinder auf dem Weg zur Cordoba Schule

Eigentlich ist es wie überall auf der Welt: morgens schauen die Jungen und Mädchen mit ihren riesigen Rücksäcken uns EAs nur missmutig an oder ignorieren unser „Sabah al-chier“ (Guten Morgen) sogar gänzlich. Mittags jedoch sind sie alle froh, dass die Schule endlich vorbei ist und sie sind super aufgedreht. Plötzlich sind sie zu freundlichen, schüchternen Unterhaltungen aufgelegt, in denen sie stolz ihre Englischkenntnisse präsentieren. Oder sie machen sich frech Späße mit uns und reizen ihre Grenzen aus. Dafür braucht man nicht einmal Englisch. Und doch ist alles in Hebron so anders, als ich es beispielsweise von meinem Schulweg her kenne. Samia – Zukunftsvisionen einer Lehrerin aus Hebron weiterlesen

Wie kann man lernen, wenn das Herz vor Angst rast?

Soldaten beobachten die Schüler auf dem Schulweg
Soldaten beobachten die Schüler auf dem Schulweg

„Wie kann man lernen, wenn das Herz vor Angst rast?“, fragt mich ein sorgenvoller Vater. Sein Sohn Leith, 12 Jahre, besucht in AsZawyya die Oberschule (Secondary School). Sie liegt an der zentralen Verbindungsstrasse Nr. 60, die vom Norden Israels , quer durch die Westbank, in den Süden Israels führt. Es gelten die Gesetze der Zone C, palästinensische Behörden haben keine Zuständigkeit. Auf Bitten des Schulleiters sind wir sofort gekommen, als wir von dem Zwischenfall hören. Das war gestern, heute sind wir erneut vor Ort. Wie kann man lernen, wenn das Herz vor Angst rast? weiterlesen