Die letzten Schäfer des Jordantals

Hayell Mahmoud in seinem Zuhause in Humsa; © EAPPI
Hayell Mahmoud in seinem Zuhause in Humsa; © EAPPI

Bereits am zweiten Tag meines Einsatzes als Ökumenische Begleiterin für das EAPPI-Programm des Weltkirchenrats lerne ich „Tornado“ kennen. Wir haben den Schäfer in der Gemeinde Humsa im Jordantal besucht, wo er seit 45 Jahren lebt. „Tornado“ heißt eigentlich Hayell Mahmoud, aber weil er so lebhaft ist wird er von allen als Wirbelwind bezeichnet. Ich treffe einen unglaublich freundlichen Mann, der unablässig lächelt und lacht. Und das, obwohl seine Lebensumstände und die seiner Familie alles andere als einfach sind.

Hayell Mahmoud ist 73 Jahre alt, hat zwölf Kinder und unzählige Enkelkinder. Seine Familie hat über Jahrzehnte die Auswirkungen der Besatzung auf unterschiedliche Art und Weise selbst erleben müssen. Für seine Familie hat Mahmoud auf seinem Land in Humsa vor über 20 Jahren  ein Haus gebaut und war seit dem wiederkehrenden Hauszerstörungen ausgesetzt. Die letzten Schäfer des Jordantals weiterlesen

Dem Erdboden gleichgemacht

Sechs Tage sind vergangen, seit die Jerusalemer Stadtverwaltung, das israelische Militär und die Zivilverwaltung des israelischen Militärs mit drei Bulldozern anrückten und das Haus von Raed Salameh Mahmoud Abu Tarboushs Familie und der seines Bruders zerstörten. Wir hörten davon durch eine Benachrichtigung von UNOCHA und machen uns auf den Weg, um den Familien mit einem Besuch unsere Solidarität zu zeigen. Dem Erdboden gleichgemacht weiterlesen

Übernachten verboten: Wadi Qana Revisited

Wadi Qana, die Häuserkette auf dem Bergkamm im Hintergrund des Bildes gehört zu einer israelischen Siedlung ©EAPPI
Wadi Qana; die Häuserkette auf dem Bergkamm im Hintergrund des Bildes gehört zu einer israelischen Siedlung ©EAPPI

Jetzt bin ich gut drei Wochen im „Heiligen Land“ und die Zeit ist wie im Fluge vergangen. Wenn ich aufgefordert wäre, meine Eindrücke dieser ersten Tage in einem Satz zusammenzufassen, dann würde ich antworten: Die Menschen, denen wir bisher begegnet sind, öffnen dankbar ihre Herzen, dankbar dafür, dass sie Menschen gegenüber stehen, die ihnen zuhören und denen sie mit großer Offenheit und Herzlichkeit ihre Sorgen und Nöte berichten können. Übernachten verboten: Wadi Qana Revisited weiterlesen

Ein Brunnen im Wadi Qana

Brunnenreparatur im Wadi Qana; ©EAPPI
Brunnenreparatur im Wadi Qana; ©EAPPI

Letzte Woche habe ich das Team in Tulkarem-Qalqilya für ein paar Tage besucht, um mehr über die dortigen Herausforderungen und Auswirkungen der Besatzung zu erfahren. Eine Aktivität sticht dabei besonders hervor: der Besuch der Gemeinde Deir Istiya. Wir trafen dort Rizek, Newaf und Mouyad, die uns baten, bei der Reparatur eines Brunnes anwesend zu sein. Ein Brunnen im Wadi Qana weiterlesen

Frische Trümmer

„Vor zwei Wochen haben wir die Fenster und Türen eingesetzt und den Bau damit fertiggestellt“, erzählt ein Handwerker, der wie wir kurzfristig von der Hauszerstörung gehört hat. Jetzt ist alles nur noch ein Trümmerhaufen. Als wir ankommen, sind die Bulldozer gerade fertig mit ihrem Zerstörungswerk. Sie haben den Zugang zum Grundstück mit Flatterband abgesperrt – es liegt mitten im Ost-Jerusalemer Stadtteil Beit Hanina, in direkter Nähe zur Hauptstraße, die vom Qalandia Checkpoint ins Stadtzentrum führt.

Trümmer in Beit Hanina, Foto EAPPI
Trümmer in Beit Hanina, Foto EAPPI

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Besatzung muss ein Ende haben!

Abu Khamis
Abu Khamis

„Meine größte Hoffnung ist, dass wir irgendwann in unser Dorf in der Negev-Wüste zurückkehren können, aus dem wir 1948 fliehen mussten. Solange dies jedoch nicht möglich ist wünsche ich mir, dass mein Dorf Khan al Ahmar an seinem jetzigen Standort erhalten bleibt und nicht wie angekündigt von den israelischen Behörden zerstört wird. Wir wollen, dass unser Recht hier zu leben und unsere Herden im Umland zu weiden anerkannt wird. Wir wollen endlich wie andere Gemeinden ein normales Leben führen, eine stabile Infrastruktur aufbauen, mit Schulen, Kindergärten und medizinischer Versorgung.“ Besatzung muss ein Ende haben! weiterlesen

Das einsame Dorf

„Ich kann euch nicht in dieses Dorf gehen lassen, das ist gefährlich. Das ist ein muslimisches Dorf. Die Einwohner werfen Steine auf Fremde und schießen sogar manchmal auf sie“, sagte der Soldat an dem Checkpoint zu uns.

Wir waren auf dem Weg in das Dorf „An Nu´man“. Wir mussten den Checkpoint, an dem wir nun standen, nicht passieren, sondern wurden von den Soldaten zu ihm gerufen. Die Straße, die nach An Nu´man führt, ist mit einer Schranke verschlossen, der Fußgänger Checkpoint nicht besetzt. Das einsame Dorf weiterlesen

Der Albtraum vom Eigenheim

Hauszerstörung in Al Walaja
Hauszerstörung in Al Walaja

Es gibt Geräusche, die sich einem ins Gedächtnis einbrennen und die man nicht wieder vergisst. Für mich ist es zum Beispiel der Ruf des Muezzins in der Altstadt von Jerusalem, oder der Wind, der durch die Olivenbäume in den Feldern um Bethlehem geht. Beide Geräusche verbinden mich automatisch mit den entsprechenden Bildern. Die Geräusche sind wie eine Art Zeitmaschine, die mich an den Ort zurückbringt, an dem ich sie gehört habe. Nicht nur die Bilder kommen zurück, sondern auch das Gefühl und die Gerüche. Der Albtraum vom Eigenheim weiterlesen

Stimmen aus Susiya vor der drohenden Räumung

Teile des palästinensischen Susiya, am rechten oberen Bildrand die Ausgrabungsstätte/Old Susiya
Teile des palästinensischen Susiya, am rechten oberen Bildrand die Ausgrabungsstätte/Old Susiya

Noch bevor ich mich als EA beworben hatte und ohne je vorher in Palästina gewesen zu sein, hatte ich schon den Namen Susiya gehört. Susiya ist eine Hochburg des friedlichen Widerstands, die es innerhalb der letzten zehn Jahre geschafft hat, international wahrgenommen zu werden. Für den 26.Februar war ein Gerichtsurteil über die Zerstörung der Gemeinde erwartet wurden, seither wird der Termin immer wieder verschoben. Stimmen aus Susiya vor der drohenden Räumung weiterlesen