Unter Christen

Welche Religion hat ein Palästinenser? Vielleicht denkt manch einer: Palästinenser sind Araber, Araber sind Muslime und daraus schließt sich: Palästinenser sind natürlich Muslime.

St. Georg in Taybeh, Foto @EAPPI
St. Georg in Taybeh, Foto @EAPPI

Tatsächlich ist etwa 1-2,5 % der palästinensischen Bevölkerung christlich. Es gibt eine große Zahl unterschiedlicher Denominationen, wobei die griechisch-orthodoxe Kirche die größte Kirche in den palästinensischen Gebieten ist. Das Einsatzgebiet meines Teams umfasst sowohl Nablus, wo die Ruinen des biblischen Orts Sichem gefunden wurden und eine kleine christliche Gemeinde lebt, als auch Ramallah. Hier lebt eine muslimische Mehrheit, doch die Stadt gilt ursprünglich als christlich[1] und hat bis heute eine vergleichsweise große christliche Minderheit. Traditionell begleiten Christ*innen das Amt der Bürgermeisterin bzw. des Bürgermeisters in Ramallah, wie auch in Bethlehem. Unter Christen weiterlesen

Inshallah – So Gott will

Gottesdienst in Nablus; © EAPPI
Gottesdienst in Nablus; © EAPPI

Wie jeden Sonntag haben wir auch heute einen Gottesdienst in Nablus besucht. Zum dritten Mal sind wir in der anglikanischen Kirche „Zum guten Hirten“ (Good Shepherd Church) bei  Vater Jamil, der seit Juli 2018 Priester der Kirche ist. Neben der anglikanischen Kirche mit 120 Mitgliedern gibt es noch drei weitere christliche Gemeinden in Nablus – katholisch, griechisch-orthodox und griechisch-katholisch. Zur Good Shepherd Church gehört außerdem die alte „St. Philip Church“ in der Altstadt von Nablus, in der auch ein Kindergarten zu finden ist. Am heutigen Sonntag hatten wir nicht nur das Privileg, mithilfe einer englischen Übersetzung dem bewegenden Gottesdienst folgen zu können. Im Anschluss an die einstündige Messe nahm sich Vater Jamil auch noch die Zeit, mit uns über sein Leben zu sprechen, als Christ, Priester, Mann oder einfach als Mensch, unter der israelischen Besatzung, in einem mehrheitlich muslimischen Land. Inshallah – So Gott will weiterlesen

Rückkehr nach Iqrit – Der Traum einer christlichen Gemeinde im Norden Israels

Ganz im Norden von Israel, nur wenige Kilometer entfernt von der Grenze zum Libanon, wandern wir durch die Ruinen des christlichen Dorfs Iqrit. Iqrit wurde 1951 vom israelischen Militär zerstört, nur die Kirche und der Friedhof blieben erhalten. Bis heute wird die Kirche nicht nur als Gebetshaus genutzt, sondern auch als Versammlungsort und Unterkunft für die Nachfahren der palästinensisch-christlichen Gemeinde, die den Ort einst verlassen musste. Diese jungen Menschen planen nun die Rückkehr nach Iqrit. Rückkehr nach Iqrit – Der Traum einer christlichen Gemeinde im Norden Israels weiterlesen

Afaf

Teilnehmende des EAPPI während eines Gottesdienstes in Nablus; @EAPPI
Teilnehmende des EAPPI während eines Gottesdienstes in Nablus; @EAPPI

Afaf ist 75 Jahre alt. Sie lebt in Nablus. Wir lernen sie in den Gottesdiensten der anglikanischen Gemeinde kennen. Sie ist von kleiner Statur und trägt eine Brille mit einem schwarzen Gestell und sehr dicken Gläsern. Im Gottesdienst hat sie eine feste Aufgabe und liest regelmäßig die Stellen aus den Evangelien, die für den jeweiligen Sonntag im Kirchenjahr vorgesehen sind. Das macht einen etwas skurrilen Eindruck, denn sie verfügt über eine laute, hohe Stimme, und gleichzeitig lugt aufgrund ihrer geringen Größe nur ihre schwarze Wollmütze und der obere Rand ihrer Brille über das Pult der Kanzel hervor. Afaf weiterlesen

Mauergebete

Das "car gate" am Checkpoint 300 (Gilo)
Das „car gate“ am Checkpoint 300 (Gilo)

Fast schon trotzig angesichts von Mauer, Ungerechtigkeiten, Schikanen und Brutalität schicke ich Friedensgrüße aus Bethlehem, wo es im Alltag durchaus auch normal, festlich, (un)aufgeregt und uns gegenüber sehr freundlich zugeht. Man kennt „uns“ hier seit vielen Jahren, erkennbar an unseren beigefarbenen Jacken mit der Friedenstaube des ÖRK, die „ökumenischen Begleiter“, „EAs“ genannt. Mauergebete weiterlesen

Besatzung muss ein Ende haben!

George Handal
George Handal

„Unter Besatzung zu leben bedeutet, viele Dinge zu verlieren. Freiheit und offenes Gelände, auf dem man sich bewegen kann. Man kann nicht arbeiten, wo man möchte und reisen können wir nur unter schwierigen Bedingungen. Mit meinem Auto kann ich nicht mehr nach Israel und Jerusalem fahren und sogar nach Jordanien zu reisen bereitet viele Probleme. Ich sehe leider kaum eine Hoffnung für mich oder kommende Generationen, dass sich daran etwas ändert. Israel wird in der Westbank bleiben, daran arbeiten sie 24 Stunden am Tag, indem sie zum Beispiel die Siedlungen ausbauen. Wir erwarten uns mehr Hilfe von anderen Ländern, bisher haben alle immer nur geredet, aber es müssen Taten folgen. Für mich als Christ ist es besonders bedrückend, dass viele meiner Glaubensbrüder und –schwestern aufgrund dieser deprimierenden Besatzungssituation emigrieren. Die Geburtsstadt Jesu ohne uns Christen, das darf doch nicht sein!“

George Handal ist 65 Jahre alt und lebt in Bethlehem, direkt neben dem Checkpoint 300. Er ist katholischer Christ und arbeitete vor seinem Ruhestand als Arabisch-Lehrer an der Terra-Sancta-Highschool Bethlehem. Besatzung muss ein Ende haben! weiterlesen