„In Berlin ist die Mauer auch gefallen!“

Morgens am Checkpoint 300

EA in der Warteschlange am Checkpoint 300
EA in der Warteschlange am Checkpoint 300

Es ist kalt, es ist nass und es ist dunkel. Halb fünf Uhr morgens: Ein palästinensischer Arbeiter fragt mich verzweifelt „Sag mir, sind wir Tiere“? Dabei zeigt er auf einen seiner Mitmenschen, der sich durch einen ca. 25cm hohen Spalt unter einem Metallgitter hindurchzwängt. Niemals im Leben hätten wir gedacht, dass dort ein Mensch hindurchpassen würde. An diesem Morgen sind es mehr als hundert Männer die so versuchen, die menschenunwürdige, elendige und Stunden dauernde Prozedur am Checkpoint ein wenig zu verkürzen. „In Berlin ist die Mauer auch gefallen!“ weiterlesen

Ein Leben ohne Notruf

Schutzlos im Wadi al-Hussein

Häuser palästinensischer Familien unterhalb der Siedlung Kiryat Arba
Häuser palästinensischer Familien unterhalb der Siedlung Kiryat Arba

Wenn wir um unser Leben und das unserer Kinder fürchten, dann wählen wir den Notruf. Wenn dutzende bewaffnete und feindselige Nachbarn in unserem Garten stehen, uns mit Steinen und Molotowcocktails bewerfen, dann kommt wahrscheinlich mehr als nur die Polizei. Wenn der Palästinenser Kayed Daana in diesem Fall den israelischen Notruf wählt weiß er nicht, ob die Polizei überhaupt kommt, und wenn sie kommt, ob sie ihm hilft. „Der einzige, der uns beschützt, ist unser Gott“ sagt Kayed. Denn die Grundstücke von Kayed Daana und seiner Kinder grenzen an den Sicherheitszaun der Siedlung Kiryat Arba. Ein Leben ohne Notruf weiterlesen

Wir rennen für unsere Freiheit

Läufer*innen aus Palästina beim Marathon in
Läufer*innen aus Palästina beim Marathon in Kopenhagen

Wir schreiben den 18. Oktober, die neuen Ökumenischen Begleiter*innen (EAs) der Gruppe 58 haben sich zwischenzeitlich in ihren 6 Einsatzorten im Westjordanland und Ostjerusalem eingefunden. Doch der 18. Oktober markiert auch eine andere, alarmierende Marke. So sind seit Monatsbeginn 7 Israelis und 40 Palästinenser ums Leben gekommen. Wir rennen für unsere Freiheit weiterlesen

EAPPI-Kino: Filme wider die Besatzung

within-eye-of-stormDie Berliner Gruppe des EAPPI-Netzwerk lädt zu einer kleinen Filmreihe in das Moviemento-Kino Berlin-Kreuzberg ein, los geht es am nächsten Dienstag, den 13.10., mit „Within the Eye of the Storm“, am 26.10. folgt „To See if I’m Smiling und den Abschluss bildet am 16.11. „The Fading Valley“. Das vollständige Programm inkl. Kurzbeschreibungen der Filme kann hier eingesehen werden.

Weltweite Aktionswoche für Frieden in Palästina und Israel

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Gestern begann die Weltweite Aktionswoche für Frieden in Palästina und Israel, das EAPPI Netzwerk hat zum Schwerpunktthema „Gott hat die trennenden Mauern zum Einsturz gebracht“ ein Infoblatt angefertigt. Es beinhaltet einerseits allgemeine Fakten zur israelischen Trennbarriere und geht darüber hinaus auf die aktuelle Situation des Mauerbaus im Cremisan-Tal ein: Infoblatt öffnen.

Weitere Informationen zur Aktionswoche sowie Liturgie und Jerusalemgebet sind auf der Webseite des Palestine Israel Ecumenical Forum zu finden.

Ismail und das Al-Arroub Refugee Camp

Teil 3 der Portraitreihe: Unter Besatzung – Palästinensische und israelische Alltagsstimmen

Ismail aus Al-Arroub
Ismail aus Al-Arroub

„Ich erkläre meinen Namen immer so: ‚Smile‘ und dann noch ein ‚I‘ davorgesetzt“. Und tatsächlich: Der Name ist Programm! Ich habe selten jemanden so herzlich lächeln und lachen gesehen. Und dabei kennt er uns kaum. Und hat schon so viel schlimmes erlebt! Ismail ist 23 Jahre alt und studiert normalerweise Krankenpflege in Ramallah. Gerade sind jedoch Ferien, so dass er im Moment wieder bei seiner Familie in Al-Arroub lebt. Er hat vier Brüder und vier Schwestern, von denen schon zwei verheiratet sind und mit ihren Ehemännern leben. Ismail führt uns heute durch das Al-Arroub Flüchtlingslager, das nach der Nakba, den Flüchtlingsströmen in 1947/48, entstanden ist. Ismail und das Al-Arroub Refugee Camp weiterlesen

Achiyas Weg zu Breaking the Silence

Teil 2 der Portraitreihe: Unter Besatzung – Palästinensische und israelische Alltagsstimmen

Achiya Schatz in Hebron
Achiya Schatz in Hebron

„Ich kann niemals Palästinenser sein. Aber ich kann ein Israeli sein, der aus seinen Erfahrungen lernt und darüber spricht. Auf diese Weise kann ich mich der Besatzung als Israeli widersetzen. Als Israeli, der sein Land liebt, der aber dazu beitragen möchte, dass der Wandel kommt!“
Achiya Schatz bezeichnet dies auch als „co-Widerstand“ und bedient sich dabei der Worte Issa Amros, Palästinenser und Gründer der Youth Against Settlements (YAS)-Organisation. Ein Besuch im YAS-Haus ist fester Bestandteil seiner Breaking the Silence-Tour in Hebron – nicht nur wegen des fantastischen Ausblicks über die Altstadt. Achiya Schatz kann nur als ehemaliger Soldat sprechen. Die Perspektive der Besetzten müssten die Palästinenser*innen selbst erzählen. Achiyas Weg zu Breaking the Silence weiterlesen

Hashem – Ein Leben am Limit

Teil 1 der Portraitreihe: Unter Besatzung – Palästinensische und israelische Alltagsstimmen

Zu Besuch bei Hashem
Zu Besuch bei Hashem

Hashem (52) hat die EAs zu sich nach Hause eingeladen. Doch es ist nicht so einfach zu ihm nach Tel Rumeida zu kommen und es war in der Vergangenheit sogar fast unmöglich. Zunächst müssen wir den militärischen Kontrollpunkt passieren. Mit Ausnahme von uns Internationalen dürfen das nur diejenigen Palästinenser*innen, die in diesem Bereich von H2 auch wirklich wohnen. Danach quetschen wir uns an einem israelischen Krankenwagen vorbei, der Hashem zufolge dort die meiste Zeit parkt und den Zugang zu seinem Weg fast komplett blockiert. Hashem – Ein Leben am Limit weiterlesen

Wie kann man lernen, wenn das Herz vor Angst rast?

Soldaten beobachten die Schüler auf dem Schulweg
Soldaten beobachten die Schüler auf dem Schulweg

„Wie kann man lernen, wenn das Herz vor Angst rast?“, fragt mich ein sorgenvoller Vater. Sein Sohn Leith, 12 Jahre, besucht in AsZawyya die Oberschule (Secondary School). Sie liegt an der zentralen Verbindungsstrasse Nr. 60, die vom Norden Israels , quer durch die Westbank, in den Süden Israels führt. Es gelten die Gesetze der Zone C, palästinensische Behörden haben keine Zuständigkeit. Auf Bitten des Schulleiters sind wir sofort gekommen, als wir von dem Zwischenfall hören. Das war gestern, heute sind wir erneut vor Ort. Wie kann man lernen, wenn das Herz vor Angst rast? weiterlesen

„Wir müssen stark bleiben, das ist unsere einzige Chance!“

Zerstörte Gebäude in Qusra
Zerstörte Gebäude in Qusra

Wir besuchen Abdul Hadim, den im Dorf hoch angesehenen Bürgermeister des Ortes Qusra, ca. 6.000 Einwohner. Wir sind jetzt das zweite Mal hier, heute aus aktuellem Anlass. Die Leidensgeschichte seines Ortes, umgeben von Siedlungen, die mit ihren roten Dächern herüberlugen, kennen wir schon. So gab es in den vergangenen vier Jahren 64 Attacken von Siedlern, 74 Bewohner sind im israelischen Gefängnis. Viele EAPPI‐Teams haben diese Geschichte fortlaufend dokumentiert. „Wir müssen stark bleiben, das ist unsere einzige Chance!“ weiterlesen