Morgens halb zehn in al-Khadr

EAs und Schüler der Secondary Boys School in al-Khadr, Bethlehem
EAs und Schüler der Secondary Boys School in al-Khadr, Bethlehem

Zugegeben, auch mir fällt es manchmal schwer, diesem Gefühl der Hoffnungslosigkeit zu widersprechen, denn was weiß ich schon vom tatsächlichen Gefühl der Ohnmacht angesichts der seit Jahrzehnten andauernden Strapazen und Enttäuschungen im Heiligen Land. Doch höre ich auch andere Stimmen, für die das Wort „inshallah“ („so Gott will“) eine andere, eine lebenswertere Zukunft in Aussicht stellt… Morgens halb zehn in al-Khadr weiterlesen

Samia – Zukunftsvisionen einer Lehrerin aus Hebron

Teil 4 der Portraitreihe: Unter Besatzung – Palästinensische und israelische Alltagsstimmen

EAs begleiten Kinder auf dem Weg zur Cordoba Schule
EAs begleiten Kinder auf dem Weg zur Cordoba Schule

Eigentlich ist es wie überall auf der Welt: morgens schauen die Jungen und Mädchen mit ihren riesigen Rücksäcken uns EAs nur missmutig an oder ignorieren unser „Sabah al-chier“ (Guten Morgen) sogar gänzlich. Mittags jedoch sind sie alle froh, dass die Schule endlich vorbei ist und sie sind super aufgedreht. Plötzlich sind sie zu freundlichen, schüchternen Unterhaltungen aufgelegt, in denen sie stolz ihre Englischkenntnisse präsentieren. Oder sie machen sich frech Späße mit uns und reizen ihre Grenzen aus. Dafür braucht man nicht einmal Englisch. Und doch ist alles in Hebron so anders, als ich es beispielsweise von meinem Schulweg her kenne. Samia – Zukunftsvisionen einer Lehrerin aus Hebron weiterlesen

„In Berlin ist die Mauer auch gefallen!“

Morgens am Checkpoint 300

EA in der Warteschlange am Checkpoint 300
EA in der Warteschlange am Checkpoint 300

Es ist kalt, es ist nass und es ist dunkel. Halb fünf Uhr morgens: Ein palästinensischer Arbeiter fragt mich verzweifelt „Sag mir, sind wir Tiere“? Dabei zeigt er auf einen seiner Mitmenschen, der sich durch einen ca. 25cm hohen Spalt unter einem Metallgitter hindurchzwängt. Niemals im Leben hätten wir gedacht, dass dort ein Mensch hindurchpassen würde. An diesem Morgen sind es mehr als hundert Männer die so versuchen, die menschenunwürdige, elendige und Stunden dauernde Prozedur am Checkpoint ein wenig zu verkürzen. „In Berlin ist die Mauer auch gefallen!“ weiterlesen

Ein Leben ohne Notruf

Schutzlos im Wadi al-Hussein

Häuser palästinensischer Familien unterhalb der Siedlung Kiryat Arba
Häuser palästinensischer Familien unterhalb der Siedlung Kiryat Arba

Wenn wir um unser Leben und das unserer Kinder fürchten, dann wählen wir den Notruf. Wenn dutzende bewaffnete und feindselige Nachbarn in unserem Garten stehen, uns mit Steinen und Molotowcocktails bewerfen, dann kommt wahrscheinlich mehr als nur die Polizei. Wenn der Palästinenser Kayed Daana in diesem Fall den israelischen Notruf wählt weiß er nicht, ob die Polizei überhaupt kommt, und wenn sie kommt, ob sie ihm hilft. „Der einzige, der uns beschützt, ist unser Gott“ sagt Kayed. Denn die Grundstücke von Kayed Daana und seiner Kinder grenzen an den Sicherheitszaun der Siedlung Kiryat Arba. Ein Leben ohne Notruf weiterlesen

Wir rennen für unsere Freiheit

Läufer*innen aus Palästina beim Marathon in
Läufer*innen aus Palästina beim Marathon in Kopenhagen

Wir schreiben den 18. Oktober, die neuen Ökumenischen Begleiter*innen (EAs) der Gruppe 58 haben sich zwischenzeitlich in ihren 6 Einsatzorten im Westjordanland und Ostjerusalem eingefunden. Doch der 18. Oktober markiert auch eine andere, alarmierende Marke. So sind seit Monatsbeginn 7 Israelis und 40 Palästinenser ums Leben gekommen. Wir rennen für unsere Freiheit weiterlesen

„Von welcher Hoffnung sprecht Ihr?“ – Beduinen und Hirten im Jordantal

Abed mit seiner Enkelin
Abed mit seiner Enkelin

Abed lebt mit seiner ca. 20 köpfigen Familie ca. 40 km nördlich von Jericho in der von Israel seit 1967 besetzten Westbank in Zone C, die so gut wie vollständig unter israelischer Kontrolle steht. Sie sind Hirten. Schafe, Ziegen und die Kinder sind ihr einziger Reichtum. „Von welcher Hoffnung sprecht Ihr?“ – Beduinen und Hirten im Jordantal weiterlesen

EAPPI-Kino: Filme wider die Besatzung

within-eye-of-stormDie Berliner Gruppe des EAPPI-Netzwerk lädt zu einer kleinen Filmreihe in das Moviemento-Kino Berlin-Kreuzberg ein, los geht es am nächsten Dienstag, den 13.10., mit „Within the Eye of the Storm“, am 26.10. folgt „To See if I’m Smiling und den Abschluss bildet am 16.11. „The Fading Valley“. Das vollständige Programm inkl. Kurzbeschreibungen der Filme kann hier eingesehen werden.

Weltweite Aktionswoche für Frieden in Palästina und Israel

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Gestern begann die Weltweite Aktionswoche für Frieden in Palästina und Israel, das EAPPI Netzwerk hat zum Schwerpunktthema „Gott hat die trennenden Mauern zum Einsturz gebracht“ ein Infoblatt angefertigt. Es beinhaltet einerseits allgemeine Fakten zur israelischen Trennbarriere und geht darüber hinaus auf die aktuelle Situation des Mauerbaus im Cremisan-Tal ein: Infoblatt öffnen.

Weitere Informationen zur Aktionswoche sowie Liturgie und Jerusalemgebet sind auf der Webseite des Palestine Israel Ecumenical Forum zu finden.

Ismail und das Al-Arroub Refugee Camp

Teil 3 der Portraitreihe: Unter Besatzung – Palästinensische und israelische Alltagsstimmen

Ismail aus Al-Arroub
Ismail aus Al-Arroub

„Ich erkläre meinen Namen immer so: ‚Smile‘ und dann noch ein ‚I‘ davorgesetzt“. Und tatsächlich: Der Name ist Programm! Ich habe selten jemanden so herzlich lächeln und lachen gesehen. Und dabei kennt er uns kaum. Und hat schon so viel schlimmes erlebt! Ismail ist 23 Jahre alt und studiert normalerweise Krankenpflege in Ramallah. Gerade sind jedoch Ferien, so dass er im Moment wieder bei seiner Familie in Al-Arroub lebt. Er hat vier Brüder und vier Schwestern, von denen schon zwei verheiratet sind und mit ihren Ehemännern leben. Ismail führt uns heute durch das Al-Arroub Flüchtlingslager, das nach der Nakba, den Flüchtlingsströmen in 1947/48, entstanden ist. Ismail und das Al-Arroub Refugee Camp weiterlesen

Achiyas Weg zu Breaking the Silence

Teil 2 der Portraitreihe: Unter Besatzung – Palästinensische und israelische Alltagsstimmen

Achiya Schatz in Hebron
Achiya Schatz in Hebron

„Ich kann niemals Palästinenser sein. Aber ich kann ein Israeli sein, der aus seinen Erfahrungen lernt und darüber spricht. Auf diese Weise kann ich mich der Besatzung als Israeli widersetzen. Als Israeli, der sein Land liebt, der aber dazu beitragen möchte, dass der Wandel kommt!“
Achiya Schatz bezeichnet dies auch als „co-Widerstand“ und bedient sich dabei der Worte Issa Amros, Palästinenser und Gründer der Youth Against Settlements (YAS)-Organisation. Ein Besuch im YAS-Haus ist fester Bestandteil seiner Breaking the Silence-Tour in Hebron – nicht nur wegen des fantastischen Ausblicks über die Altstadt. Achiya Schatz kann nur als ehemaliger Soldat sprechen. Die Perspektive der Besetzten müssten die Palästinenser*innen selbst erzählen. Achiyas Weg zu Breaking the Silence weiterlesen