Kisan – Wo die Besatzung die Idylle verblassen lässt

Sonnenaufgang nahe Kisan; © WCC-EAPPI/Helga

Sonnenaufgang über im Morgendunst liegenden Bergen und Hügeln. In der Ferne silbern glitzernd das Tote Meer. Vögel zwitschern, Hähne krähen, Hunde bellen, Schafe und Ziegen blöken.

Der rote Sonnenball erscheint am Horizont und wirft Tageslicht auf das kleine Dorf Kisan 20 km südlich von Bethlehem. Doch unser Wissen um die besatzungsbedingte Situation des Ortes und seiner Menschen trübt unsere Freude an der mystischen Morgenstimmung.

In Kisan begleiten wir regelmäßig Hirtinnen mit ihren Herden auf ihr Weideland, weil die Frauen auf den Weidegängen immer wieder von Siedlern bedrängt wurden. Die Hirtinnen sagen uns, dass die Siedler fernbleiben, wenn wir da sind. Frühmorgens beobachten wir aus einiger Entfernung, wie die Frauen mit ihren Herden umherziehen. Zuletzt gab es mehrmals neue Vorgaben seitens des Militärs, bis wohin die Hirtinnen mit ihren Tieren gehen können. Eine der Frauen sagte uns dazu: „Unsere Ziegen müssen fressen, Futter zukaufen ist teuer. Außerdem ist das hier doch unser Land.“ Kisan – Wo die Besatzung die Idylle verblassen lässt weiterlesen

Die Frauen von An Nabi Samwil

Das heutige An Nabi Samwil liegt eingeklemmt zwischen Siedlungen und Trennbarriere; © UNOCHA-OPT Humanitarian Atlas 2019

Das Dorf An Nabi Samwil – Prophet Samuel – liegt auf einem Hügel in der Westbank, etwa vier Kilometer nördlich von Jerusalem. Am höchsten Punkt des Hügels befindet sich ein Grabmal, das dem Propheten Samuel zugeschrieben wird. Hier steht eine Moschee, die zum Teil in eine Synagoge umgewandelt wurde. Ausgrabungen haben ergeben, dass hier bereits ab dem 4. Jahrhundert v.Chr. Menschen gelebt haben.[1] Bis 1971 lag rund um die Moschee das ursprüngliche palästinensische Dorf An Nabi Samwil. Von den etwa 1.000 Einwohner:innen flohen viele im 6-Tage-Krieg. 1971 wurde das Dorf von der israelischen Armee zerstört und die verbliebenen Einwohner:innen umgesiedelt.[2]

Zwischen Siedlungen, Trennbarriere und Nationalpark

Heute läuft man entlang der Trennbarriere, um nach An Nabi Samuel zu gelangen, das versteckt hinter Stacheldrahtzäunen und einem israelischen Wachposten liegt, etwa hundert Meter von seinem ursprünglichen Ort. An Nabi Samwil liegt in der sogenannten „Seam Zone“, zwischen der Trennbarriere, die hier – wie an vielen anderen Stellen – unter Verstoß gegen internationales Recht innerhalb des besetzten Gebiets verläuft, und der „Grünen Linie“, der Waffenstillstandslinie von 1949, die als Verhandlungsgrundlage für eine zukünftige Grenze zwischen Israel und einem palästinensischen Staat gilt. Um in die Westbank zu fahren müssen die Einwohner:innen von An Nabi Samwil den Checkpoint Al Jib passieren. Eine physische Grenze nach Israel gibt es zwar nicht, jedoch droht die Verhaftung, sollten sie sich als Einwohner:innen der Westbank ohne gültige Genehmigung in Israel aufhalten. Die Frauen von An Nabi Samwil weiterlesen

Jabal al Baba – Standhaftigkeit angesichts drohender Umsiedlung

Es ist das zweite Mal, dass wir die Beduinengemeinschaft Jabal al Baba besuchen. Das Dorf  befindet sich auf einem Hügel in der Westbank, zwischen der israelischen Siedlung Ma’ale Adumim und der palästinischen Stadt Al-‘Eizariya. Die Siedlung Ma’ale Adumim wurde 1975 gegründet und befindet sich ca. sieben Kilometer östlich von Jerusalem[1]. Mittlerweile leben hier etwa 38.000 Menschen. Der Bau von Siedlungen und Siedlungsaußenposten in den besetzten palästinensischen Gebieten verstößt gegen humanitäres Völkerrecht.[2]

Jabal al Baba liegt zwischen der völkerrechtswidrigen Siedlung Ma‘ale Adumim und Al Eizariya; © UNOCHA-OPT, Kartenausschnitt aus Humanitarian Atlas 2019

1994, unter dem damaligen Ministerpräsidenten Yitzhak Rabin, wurde der Siedlung das sogenannte „E1“-Gebiet (East 1) zugeschlagen, das die Fläche der Siedlung verdoppelte.[3] Durch internationalen Druck, vor allem seitens der Vereinigten Staaten, konnte die Umsetzung der Baupläne in E1 (etwa 3.500 Wohneinheiten[4])  in den folgenden Jahren verhindert werden. Auch für die EU sind die Bauvorhaben in E1 eine der „roten Linien“, die nicht überschritten werden sollen, da sie die Schaffung eines palästinensischen Staats verhindern würden.[5] Nichtsdestotrotz wurde 2008 das neu gebaute Hauptquartier der israelischen Polizei in E1 eröffnet. 2012 wurde der Planungsprozess für die Bebauung von E1 wieder aufgenommen, u.a. als Reaktion auf die Entscheidung der Vereinten Nationen zur Anerkennung des Staates Palästina als Beobachterstaat. Auch aktuell gibt es wieder Bemühungen, die Planungsverfahren weiter voranzutreiben, eine nächste Anhörung ist laut der israelischen Organisation PeaceNow für Mitte Juli geplant.[6] Jabal al Baba – Standhaftigkeit angesichts drohender Umsiedlung weiterlesen

Begegnungen mit palästinensischen Frauen und Mädchen

Schülerinnen in der Altstadt von Jerusalem; Foto © WCC-EAPPI

Jeden Tag sehen wir Mädchen und Frauen unterwegs in den Straßen von Ost-Jerusalem: Schülerinnen auf dem Weg zur Schule – meist in kleinen Gruppen zu zweit oder zu dritt, lachend und schwatzend, junge Frauen mit ihren kleinen Kindern, ältere Frauen unterwegs beim Einkaufen, oft mit großen Tüten, Geschäftsfrauen und die alten Bäuerinnen, die am Damaskustor sitzen mit großen Bergen von Weinblättern und Gewürzen, die sie verkaufen. In manchen Restaurants sitzen, nach wie vor, unten im „öffentlichen“ Saal die Männer und im ersten Stock die Frauen und Familien. Dort herrscht meist eine fröhliche lebendige Stimmung. Gestern waren wir in einem schicken Café auf der Terrasse im ersten Stock – zusammen mit vielen jungen Frauen – manche arbeiten an Laptops, manche unterhalten sich, andere rauchen Wasserpfeife.

Auf der Straße kommen wir mit den Frauen kaum ins Gespräch. Ich möchte jedoch mehr erfahren über die Lebenssituation der Frauen hier. Vielfach höre ich, dass palästinensische Frauen einer zweifachen Belastung ausgesetzt sind: durch kulturelle Normen und die Auswirkungen der israelischen Besatzung. Auf der anderen Seite wird mir immer wieder erzählt, dass Frauen das starke Element in der Familie seien.

Bewegungsfreiheit

Die Auswirkungen der Besatzungssituation betreffen nicht selten die Bewegungsfreiheit von Frauen in Palästina. Ich höre immer wieder, dass Frauen mehr zuhause bleiben. Viele Frauen machten sich Sorgen, was bei der Fahrt durch die besetzten Gebiete alles passieren könnte. Viele zögerten, allein die Checkpoints zu passieren. Begegnungen mit palästinensischen Frauen und Mädchen weiterlesen

Schulkinder vor besonderen Herausforderungen

Eine der ersten Schulen, die wir EAs vom Team Bethlehem besuchten, war die Al Minya Schule im gleichnamigen Dorf. Das Vorgängerteam hatte uns berichtet, dass es dort oft Schikane der Kinder durch Siedler gegeben hatte und schützende Präsenz durch EAs dringend notwendig sei und von der Schule ausdrücklich gewünscht werde. Auch israelische Soldat:innen seien regelmäßig präsent und sogar schon in die Schule eingedrungen.

Al Minya (hier al-Maniyah) liegt zu beiden Seiten der Umgehungsstraße, in der Nähe der Siedlungen Tekoa und Ma’ale Amos mit ihren jeweiligen Außenposten. Karte © B’Tselem https://www.btselem.org/map

Die Schule liegt direkt an einer viel (und schnell) befahrenen Umgehungsstraße, die auch von Siedler:innen genutzt wird, im C-Gebiet der Westbank[1] und in der Nähe der israelischen Siedlungen Ma’ale Amos und Tekoa. Wir kommen an verschiedenen Tagen je zweimal zu den kritischen Zeiten, zu Schulbeginn und zu Schulende, um sogenannte schützende Präsenz zu zeigen. Im Ramadan beginnt die Schule erst um 9 Uhr und endet um 11 Uhr. Als der Monat des Ramadan Anfang Mai zu Ende ist, findet der Unterricht von 7.45 bis 10.10h statt, die Lehrer:innen bleiben bis 11 Uhr.  Der Unterricht ist während der gesamtem Zeit unseres Einsatzes verkürzt: die Lehrer:innen der öffentlichen Schulen befinden sich im Streik, da sie seit fünf Monaten kein oder ein reduziertes Gehalt bekommen haben. Schulkinder vor besonderen Herausforderungen weiterlesen

Standhafte Frauen und internationaler Druck

Eine fragile Erfolgsgeschichte aus Jubbet Adh Dhib

Fadia in ihrem Garten; Foto © WCC-EAPPI

Nach einer halbstündigen Fahrt aus Bethlehem kommen wir in Jubbet Adh Dibh an. Es ist eines der entlegensten Dörfer im Verwaltungsgebiet der Stadt Bethlehem. Wir betreten das mit Klimaanlage gekühlte Wohnzimmer von Fadia, die uns freundlich mit Wasser und arabischem Kaffee begrüßt. Wir sind hier mit Hamed, der für die UNOHCHR arbeitet und zwei seiner Kolleg:innen. Hamed ist im Dorf bekannt, schon häufig konnte er unterstützen und vermitteln, wenn Hilfe im Dorf benötigt wurde.

Erst seit ein paar Jahren hat das Dorf rund um die Uhr Zugang zu Elektrizität und ausreichend Wasser. Lokale und internationale Organisationen haben bei der Umsetzung geholfen, aber es ist vor allem auch ein Verdienst von Frauen wie Fadia, die unermüdlich für ihre Rechte und die des Dorfs eintreten[1]. Standhafte Frauen und internationaler Druck weiterlesen

Sumud

Selbstorganisation und internationale Vernetzung sind ein wirkungsvolles Gespann

Der 30. März wird von Palästinenser:innen als „Tag des Bodens“ begangen und erinnert an die Verluste und Rechte auf Land und Heimat. Just an diesem Tag fand eine Sitzung des Supreme Court in Jerusalem statt, bei der über die Zerstörung von 38 Häusern im nahegelegenen Dorf Al Walaja entschieden wurde. Zur großen Freude der Bewohner:innen und ihrer Unterstützer:innen entschied das Gericht, die Zerstörungsanordnungen für ein weiteres halbes Jahr auszusetzen und der Gemeinde ein Planungsverfahren zuzugestehen. Nur ein Aufschub – keine Entscheidung in der Sache, aber kostbare 24 Wochen ruhiger Schlaf für die betroffenen Familien. Außerdem gibt jede gewonnene Zeit neuen Raum für neue Ideen und für die Stärkung des gewaltfreien Widerstands, dem die Gemeinde sich verpflichtet hat.

Al Walaja

Warum aber das Ganze? Al Walaja liegt südwestlich von Jerusalem im Westjordanland. Im Zuge der Grenzziehung nach dem israelischen Unabhängigkeitskrieg 1949 hat es mehr als zwei Drittel seines Landes verloren, das heute auf der israelischen Seite der sogenannten Grünen Linie liegt.

Die Karte zeigt die zum Verwaltungsbezirk Bethlehem gehörenden Gemeinden Al Walaja und Battir, die sogenannte Grüne Linie sowie die umliegenden israelischen Siedlungen; © UNOCHA-OPT Interactive Map

Ein weiterer Teil der verbliebenen Dorffläche wurde 1967 von den israelischen Behörden zum Jerusalemer Stadtgebiet annektiert (siehe Karte, die Gebiete nördlich der blau-gestrichelten Linie). Jerusalemer Ausweise aber erhielten die Bewohner:innen dieses Dorfteils nicht.

2017: EA dokumentiert eine Hauszerstörung in Al Walaja; © WCC-EAPPI

Vielmehr hagelte es im Laufe der Jahre Zerstörungsanordnungen. Denn die Familien verfügen nicht über die vorgeschriebenen Genehmigungen für die Häuser, die sie nach 1967 dort gebaut haben. Das ist so, weil es aus Jerusalem keine Stadtplanung für ihren Ort gibt, was die Voraussetzung für die Erteilung einer Baugenehmigung ist. Allein seit 2014 wurden in Al-Walaja fast 30 Häuser zerstört. Sumud weiterlesen

Das Recht wird in der Wüste wohnen und Gerechtigkeit im fruchtbaren Lande

Die Gegend von Masafer Yatta ganz im Süden Palästinas ist von unvergleichlicher Schönheit. Wir Ökumenische Begleiter übernachten bei Vollmond und sternenklarer Nacht bei Schäfer Hajj Ali Jabareen in Mantiqat Shib al Butum und genießen die himmlische Ruhe. Kein Siedler hat die Familien in der Nacht gestört wie eine Woche zuvor, nur die Hunde haben um zwei Uhr in angeschlagen und sich dann wieder beruhigt. Um fünf bin ich ausgeschlafen und gehe ins Freie. Ich bin ergriffen von dem atemberaubenden Blick auf das Jordantal bei Sonnenaufgang.

Morgendämmerung über dem Jordantal – ein atemberaubender Anblick! Blick von Mantiqat Shib al Butum kurz vor Sonnenaufgang Foto © WCC-EAPPI

Naturschutz oder Landnahme?

Die Halbwüste erwacht – Wilde Iris im Dorf Zanuta; Foto © WCC-EAPPI

Mitte März erleben wir, wie die Halbwüste erwacht: Krokusse, Iris, Tulpen und Zwerghyazinthen erblühen und gelb überzogen ziehen sich die Getreidefelder in den Tälern dahin. Auf den Weizen- und Haferfeldern stehen Senfpflanzen in voller Blüte. Die Distelart A´koub (lat. Gundelia Tournefortii) wächst hier überall zwischen Steinen und Felsbrocken, zwischen Getreide und Olivenhainen. Solange der Stängel noch saftig ist, kann sie gegessen werden und schmeckt wie Artischocke. Im Frühling wird die Pflanze deshalb schon seit biblischen Zeiten[1] eifrig gesammelt und gekocht. In der gehobenen Küche wird das Wildgemüse sehr geschätzt, der Preis ist hoch: 40 Schekel (11,30€) kostet das Kilo auf dem Markt in Jerusalem, erheblich mehr als das Frühlingsgemüse aus den Gewächshäusern. Für die Bewohner:innen der Beduinendörfer ist der Verkauf dieser Delikatesse eine wichtige Einnahmequelle im Frühjahr.

Das Wildgemüse A’koub im Dorf Umm al-Amad; Foto © WCC-EAPPI

Anfang März erfahren wir in Susiya, dass tags zuvor Siedler auf palästinensisches Weidegebiet eingedrungen sind und Kindern zwei Körbe voll A´koub entrissen haben, die sie mühevoll gesammelt hatten. Ende März erzählt uns eine Frau aus Jinba, dass ein israelischer Naturschützer von einem Hügel aus regelmäßig die Gegend mit einem Fernglas nach Sammler:innen von A´koub absucht und auch tags zuvor zwanzig Minuten lang auf dem Berg gesessen habe. Falls die Polizei komme, sei eine Strafzahlung von 1.130 Schekel (325 Euro) fällig, da es sich um ein von Israel zum Naturreservat erklärtes Gebiet handele. Israel hat seit 1967 etwa 13% der Westbank zu Naturschutzgebieten erklärt[2]. Seither können Schäfer:innen die Flächen nicht mehr für Weidegänge nutzen, ist das Sammeln von Pflanzen wie A´koub unter Strafe gestellt – und auf diese Weise wird der Druck auf die Menschen in Dörfern wie Jinba größer, ihre traditionelle Lebensweise aufzugeben und anderweitig ihr Geld zu verdienen. Das Recht wird in der Wüste wohnen und Gerechtigkeit im fruchtbaren Lande weiterlesen

Gemeinsam für Gerechtigkeit und Frieden

Die im Bericht erwähnten Dörfer liegen ganz im Süden der Westbank; Karte © UNOCHA-OPT

„Wo liegt denn Masafer Yatta?“, werde ich von einer Kollegin aus Düsseldorf gefragt. Wäre ich nicht im Rahmen des Begleitprogramms des Ökumenischen Rats der Kirchen Ende Januar nach Yatta gekommen, hätte ich genauso fragen müssen. Auch wenn heute kaum ein Tourist in diese Gegend kommt, so muss Masafer Yatta doch auch früher schon eine Region gewesen sein, in der viele Menschen unterwegs waren. Die Namen biblischer Orte, archäologische Ausgrabungen und Überbleibsel religiöser Stätten weisen darauf hin. In der hügeligen Halbwüste mit tiefen Tälern weiden auch heute noch Schäfer ihre Schafe und Ziegen fast wie in alten Zeiten, wächst auf kargen Feldern Hafer und Weizen, leben Menschen in einfachen Häusern und Höhlen. Eine atemberaubende Landschaft.

Aber es leben nicht nur palästinensische Hirten und Bauern in diesem Teil des Westjordanlandes. Nach der israelischen Besetzung (1967) wurden an diesen biblischen Orten nahe der Südgrenze Palästinas zahlreiche israelische Siedlungen errichtet. Sie sind auf gut ausgebauten Straßen schnell zu erreichen und auch von Jerusalem nur gut eine Stunde entfernt für Israelis, die die Kontrollpunkte und Tunnel ungehindert durchfahren können. Die Siedlungen sind an das israelische Wassernetz angeschlossen, das mit Wasser vom See Genezareth und von Tiefbrunnen im Jordantal gespeist wird.

Haj Sulejman al Hathalin – ein Leben für den gewaltfreien Widerstand

Nachbarn und doch zwei Welten: Umm al Kheir und die Siedlung Carmel; Foto ©WCC-EAPPI

Carmel ist eine solche Siedlung. Auf dem Berghügel erhebt sich ein hoher Wasserturm, umgeben von ziegelgedeckten zweigeschossigen Häusern und einigen Containerwohnungen. In der Nähe große Viehställe für Kühe, Schafe und Geflügel, deren Dächer teilweise großflächig mit Solarzellen bedeckt sind. Direkt daneben liegt das palästinensische Dorf Umm al Kheir mit ganz einfachen eingeschossigen Häusern und einem großen Gemeinschaftszelt. Ich traue meinen Augen nicht und fasse an einen verrosteten Maschendrahtzaun: Beide Gemeinden trennt nur ein drei Meter hoher Zaun, der oben mit Stacheldraht verstärkt ist. Mir kommen die Bilder der Trennbarriere in den Sinn, die in städtischen Räumen wie Bethlehem oder Jerusalem aus einer bis zu 8 Meter hohen Mauer besteht und der Sicherheit dienen soll. Hier scheint dieses Argument ad absurdum geführt zu werden.

Haj Sulejman vor der Siedlung Carmel; Foto © Margaret Olin https://touchingphotographs.com

Eid Sulejmans Stimme ist ruhig und leise, als er uns vom Tod seines Vaters Sulejman al-Hathalin in Umm al Kheir erzählt. Gemeinsam für Gerechtigkeit und Frieden weiterlesen

„Alle Mächte, die die Barmherzigkeit verlieren, haben keine Zukunft“

Das Wohnzelt von Abu Jamal im Jahr 2017, auf den Hügeln im Hintergrund die Siedlungen Ibei Hanahal und Ma’ale Amos; © WCC-EAPPI

Das Beduinendorf Al Ganoub liegt zwischen Hebron und Bethlehem. Hamed Qawasmeh, der Vertreter des Büros des UN-Hochkommissariats für Menschenrechte für die südliche Westbank hat uns zu einem Besuch dieses Ortes eingeladen. Dieses Mal bin ich mit dem EAPPI-Team aus Hebron unterwegs. Sie sind eigentlich vor allem innerhalb der Stadt tätig. Der Besuch von Al Ganoub im Umland von Hebron ist auch für sie eine besondere Erfahrung.

Al Ganoub liegt zwischen vier Siedlungen; © UNOCHA-OPT Interactive Map

Wir brechen im Regen auf, das vollbesetzte Auto kämpft sich in dichtem Nebel über kurvenreiche Straßen durch Berg und Tal. An einer Tankstelle warten Vertreter der israelisch-palästinensischen Organisation Combatants for Peace auf uns und schließen sich an. Plötzlich sind wir über der Nebelgrenze und überschauen eine karge Hügellandschaft. Eine unbefestigte Straße führt uns auf dem Kamm eines Hügels weiter – vor uns ist nichts zu sehen außer einem roten Schrottauto. „Alle Mächte, die die Barmherzigkeit verlieren, haben keine Zukunft“ weiterlesen