Hintergrundtexte

Kairos Palästina: Ein Wort des Glaubens, der Hoffnung und der Liebe inmitten des Leidens der Palästinenser_innen

Das Kairos-Dokument wurde im Dezember 2009 veröffentlicht. Verfasst wurde es von einer ökumenisch zusammengesetzten Gruppe von 15 palästinensischen Christ_innen nach gründlicher und langwieriger Beratung. Es steht in der Tradition einer Reihe von ökumenischen Kairos-Dokumenten der 80er und 90er Jahre des vorigen Jahrhunderts – 1985 in Südafrika, 1988 in Mittelamerika, 1989 „Der Weg nach Damaskus“ von Dritte-Welt-Theologen aus sieben Ländern, 1998 dann ein europäisches Kairos-Dokument und eines in Simbabwe. Gemeinsam ist all diesen Erklärungen, dass sie im Sinne der Befreiungstheologie drängende politische Entscheidungen für radikale Veränderungsprozesse als christliche Glaubensentscheidungen verstehen. Es sind Hilferufe, gerichtet an eine weltweite kirchliche Öffentlichkeit, die himmelschreiender Ungerechtigkeit mit zu viel Gleichgültigkeit begegnet.

Gebet an der Mauer in Betlehem (Foto: Kate Taber)
Gebet an der Mauer in Betlehem (Foto: Kate Taber)

Kairos-Palästina versteht sich selbst als „ein Schrei der Hoffnung, wo keine Hoffnung ist“. Der Text bewegt sich ständig auf der Grenze: Er bekennt sich zu den Verheißungen der hebräischen Bibel an Israel, bestreitet aber entschieden, dass diese zur Negativbotschaft für ein anderes Volk werden dürften. Er bekräftigt die Heiligkeit des Landes mit Jerusalem als Zentrum, besteht aber darauf, dass Judentum, Christentum und Islam nur gemeinsam diesem Anspruch gerecht werden könnten. Er anerkennt das Recht auf Widerstand gegen die militärische Besetzung und Gewaltherrschaft, tritt aber zugleich dafür ein, bewaffnete Gewalt auszuschließen und die menschliche Würde des Widersachers stets zu achten.

Von Christen geschrieben, will das Dokument ein Zeugnis des Widerstandes des ganzen palästinensischen Volkes sein. Es lädt Menschen aus aller Welt ein, nach Palästina zu kommen, um die Wirklichkeit kennen zu lernen, und es ruft insbesondere Christ_innen in allen Kirchen dazu auf, nicht durch fundamentalistische theologische Interpretationen des Nah-Ost-Konfliktes dem Unrecht Vorschub zu leisten. In diesem Sinne hat es in den zurückliegenden Jahren eine lebhafte Diskussion angeregt.

Die deutsche Fassung des Kairos-Palästina-Dokuments findet sich hier.

Eine Argumentationshilfe zum Kairos-Dokument steht auf der Webseite von Kairos Europa zur Verfügung.