Frauenleben in den besetzten palästinensischen Gebieten

Die Mütterschule
Mütterschule

Es gibt einige Mütterschulen in den ländlichen Gebieten der Westbank. Was und wie viel dort passiert, hängt vom Engagement der Leiterin ab. Eher zufällig treffen wir Amal, die Leiterin der Mütterschule in Yatma. Sie ist eine kleine energische Frau. Das vielfältige Angebot ihrer Schule geht weit über die Grundbedürfnisse von Müttern und werdenden Müttern hinaus. Es gibt Gesundheitsberatung, ein Ferienprogramm für Kinder, Unterricht in Arabisch, Englisch und Mathe. Viele der Frauen im Dorf sind nur wenige Jahre zur Schule gegangen. Amal bietet zudem ein „Bienenprojekt“ an. Frauen in den Dörfern bekommen einen Bienenstamm, ein Bienenhaus, eine Einführung ins Imker-Handwerk und Hilfe bei der Vermarktung. Seit zwei Jahren gibt es dieses Projekt und bereits 200 Kilo Honig wurden erzeugt. Das Geld können die Familien in den Dörfern gut gebrauchen.

Frauen auf dem Land

Die Frauen in Yanoun haben ein hartes Leben. Jeden Tag stehen sie um 5 Uhr auf, heizen den „Tabuun“ (eine Feuerstelle zum Brotbacken), melken die Schafe, machen Käse und Joghurt, backen Brot, richten das Frühstück für die Kinder. Es gibt keinen Feiertag und keinen Urlaub. Jeder Tag ist gleich. Geheiratet wird früh, die Frauen mit maximal 19 Jahren. Wenn ich eine der Familien im Dorf besuche, springt sofort die Frau auf, kocht Kaffee oder Tee, den sie dann ihrem Mann und mir serviert. Die Situation der Mädchen und Frauen bei den Beduinen im Jordantal ist – für mein Empfinden – noch deprimierender. Die Mädchen dürfen nur drei bis vier Jahre zur Schule gehen. Dann müssen sie zu Hause bleiben und im bzw. ums Haus oder Zelt helfen. Die Jungs und Männer arbeiten meist in den Gewächshäusern der Siedler, denn von der Schafzucht allein können sie nicht leben.

Frauen auf dem Land - Brotbacken
Frauen auf dem Land – Brotbacken

 Internationaler Frauentag

Am Internationalen Frauentag nehmen wir an einer landesweiten Veranstaltung der Frauengewerkschaft teil. Die Frauen fordern die Freilassung einer Gefangenen, Hana Shalabi. Sie war wiederholt ohne Anklage, ohne Gerichtsbeschluss und ohne Familienkontakt im Gefängnis. Nach ihrer Festnahme im Februar, hat sie sofort mit einem Hungerstreik begonnen. Im Bus fahren wir, ca. 70 Frauen und 10 Internationale, von Nablus nach Burqin, einem kleinen Dorf im Norden der Westbank. Im Bus wird gesungen, gelacht, geklatscht. Die Frauen sind selbstbewusst, fröhlich und gut organisiert. Bei der kleinen Pressekonferenz auf der Straße kommen manche Männer nicht umhin, sich ins Bild zu drängeln. Meine Nebensitzerin im Bus ist Majd, 28 Jahre alt. Sie hat Psychologie studiert und arbeitet nun für die Regionalverwaltung. Sie ist nicht verheiratet, lebt bei ihren Eltern. Ihre Eltern unterstützen sie bei ihrem Engagement für Frauen und Freiheit. Die Demonstration findet mitten auf der Straße zur Mittagszeit statt. Die Sonne brennt, es ist sehr heiß. Ich ziehe den Anorak aus und bereue, dass ich einen Baumwollpullover und ein T-Shirt angezogen habe. Von den anderen Frauen zieht keine, auch nicht Majd, ihre Wolljacke aus. Das geht dann doch nicht in der Öffentlichkeit.

Internationaler Frauentag in Palästina
Internationaler Frauentag in Palästina

Evi Handke (März 2012)