Zivilgesellschaftliches Engagement

Begleitende Sachinformationen zur Ausstellung „Begegnungen in Palästina und Israel“ – Stand Juli 2021

Die Zivilgesellschaft in Israel und Palästina bildet einen wichtigen Gegenpol zu einer Politik der Konfrontation. Denn auf beiden Seiten setzen sich Nichtregierungsorganisationen (NGOs) für Aufklärung und Verständigung ein. Mit ihrem Wissen über und ihrem Einsatz gegen Folgen der Besatzung sind sie auch wichtige Informationsquellen und Partner der Ökumenischen Begleiter*Innen.

Partnerschaften mit palästinensischen NGOs sind bei vielen Themen hilfreich. Etwa, wenn es um Menschenrechtsverletzungen in den besetzten Gebieten geht (etwa durch Al Haq – deutsch: „Das Recht“), um Rechtsbeistand bei Hauszerstörungen (JLAC – Jerusalem Legal Aid Center), um lokale Selbstorganisation in Ost-Jerusalem (Wadi Hilweh Information Center), in Nahalin bei Bethlehem (Tent of Nations) oder in Hebron (YAS – Youth against Settlements).

International bekannter als diese palästinensischen sind viele israelische NGOs. Sie widmen sich Themen wie Übergriffen der israelischen Armee in den besetzten Gebieten (Breaking the Silence) oder beobachten die Zustände an Checkpoints innerhalb der Westbank und an Übergängen nach Israel (Machsom Watch). Sie üben Solidarität im Dienste der Verständigung (Rabbis for Human Rights), treten bei Mahnwachen für ein Ende der Besatzung (Women in Black) ein oder engagieren sich für Rechtssicherheit (Yesh Din – deutsch: „Es gibt Recht“).

In einer ganzen Reihe von Organisationen engagieren sich Palästinenser*innen und Israelis auch gemeinsam, etwa wenn es um Menschenrechtsverletzungen (B’Tselem) geht, um die Militärgerichtsbarkeit in den besetzten Gebieten (Military Court Watch), die gemeinsame Friedensarbeit ehemaliger Kämpfer*innen beider Seiten (Combatants for Peace) oder um Verständnis für den Schmerz und die Trauer der anderen Seite, etwa das Leiden unter dem Verlust von Verwandten der anderen durch Gewalt der eigenen Seite (Parents Circle Families Forum).

Diese NGOs werden großenteils auch international gefördert, von privaten Stiftungen, von staatlichen und supranationalen Institutionen. Sie sind deshalb allerdings auch gefährdet. Denn seit Jahren gibt es vor Ort Diskussionen über Hürden für ausländische Finanzierung. Solche Debatten werden schon seit längerem von israelischen Politiker*innen geführt, 2016 wurde vom israelischen Parlament das sogenannte NGO Law verabschiedet[1]. Inzwischen steigt auch der Druck auf palästinensische NGOs, die sich kritisch mit der Politik der Palästinensischen Autonomiebehörde in der Westbank bzw. den Hamas-Institutionen in Gaza auseinandersetzen[2].

In der Defensive sind ohnedies all jene Organisationen, die in Zeiten zunehmender Abschottung für das Verständnis der jeweils anderen Seite eintreten.

[1] https://law.acri.org.il/en/2016/07/11/update-ngo-law-passed/ besucht 15.07.2021

[2] https://www.alhaq.org/advocacy/17477.html besucht am 15.07.2021